1) Auch in der Sozialpsychologie gilt vielen das Experiment als “Königsweg der Erkenntnis“. Erläutern Sie die folgenden drei Begriffe, die für die Durchführung und Interpretation sozialpsychologischer Experimente relevant sind.
Randomisierung, Unabhängige Variable, Abhängige Variable
3P.
Randominisierung: VP werden zufällig auf die Gruppen verteilt. Dadurch soll verhindert werden, dass Unterschiede zwischen den Gruppen schon vorher bestehen.
Unabhängige Variabel: Was manipuliert wird
> Eine Gruppe hat Lesetraining, die andere nicht
Abhängige Variabel: Was gemessen wird
> hat unabh.Variabel eine Wirkung?
> Lesekompetenz nach dem Training
2) Eine sozialpsychologische Studie,in der ein standardisiertes Interview genutzt wird, eignet sich insbesondere dann…
0 …wenn hypothesengenerierend geforscht wird.
0 …wenn Hypothesen getestet werden sollen.
0 …wenn der Aspekt der Exploration im Fokus steht.
0 …wenn sich an die Datenerhebung interpretative Analysen anschließen sollen.
1P.
3) Was versteht man unter Deduktion, was unter Induktion?
2P.
Deduktion:
= Überprüfen von Theorien
· Ableitung von Hypothesen aus theoretisch begründeten Gesetzmäßigkeiten, Testung an der empirischen Realität
Induktion:
= Erschließen von Theorien aus Daten
· Aus der Analyse empirischer Daten werden Gesetzmäßigkeiten erschlossen
Abduktion:
= Daten und Theorien werden abgeglichen
· Empirische Daten werden im Lichte von Regel- und Gesetzmäßigkeiten analysiert
· Im Zuge dieser Analyse werden partiell neuartige Regel- und Gesetzmäßigkeiten entdeckt
4) Welcher der folgenden Autoren gehört zur langen Vergangenheit, aber nicht zur kurzen Geschichte der Sozialpsychologie?
0 George H. Mead
0 Karl Marx
0 Solomon Asch
0 Harold Kelly
0 Kurt Lewin
0 Groucho Marx
0 Leon Festinger
5) Warum gilt die Studie “Die Arbeitslosen von Marienthal” gerade in methodischer Hinsicht noch heute als eine vorbildliche Arbeit?
weil sie verschiedene Forschungsmethoden miteinander kombiniert
6) Was ist ein Vorteil der Methode der teilnehmenden Beobachtung, was ein möglicher Nachteil?
7) Welche Aussagen zum “Ferienlagerexperiment“ ist zutreffend?
0 Das Ferienlagerexperiment wurde von Paul Lazarsfeld durchgeführt.
0 Intergruppenfeindesligkeit konnte dadurch abgebaut werden, dass die verfeindeten Gruppen eine wichtige Aufgabe gemeinsam angehen mussten. Ob sie dabei am Ende erfolgreich waren, war demgegenüber nachrangig.
0 Das Ferienlagerexperiment wurde von Kurt Lewin durchgeführt.
0 Intergruppenfeindseligkeit konnte dadurch abgebaut werden, dass den verfeindeten Gruppen attraktive gemeinsame Aktivitäten angeboten wurden (z. B. ein gemeinsamer Filmabend).
0 Intergruppenfeindseligkeit konnte dadurch abgebaut werden, dass die zwei verfeindeten Gruppen sich gegen eine weitere dritte Gruppe zusammenschlossen.
8) Eine Lehrkraft sagt zu einer Schülerin bei der Rückgabe einer Klausur: “Das kannst du eigentlich besser”“ Das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun unterscheidet unterschiedliche Seiten einer Nachricht. Greifen Sie zwei dieser Seiten heraus und wenden Sie sie auf das Beispiel an.
2P.)
9) Nennen Sie drei Axiome der Kommunikationstheorie von Paul Watzlawick in seiner Terminologie!
10) In Solomon Aschs berühmten Experiment zur sozialen Wahrnehmung, speziell der Eindrucksbildung, ist das Adjektiv “warm” bzw. “kalt”…
0 …im Rahmen der Eindrucksbildung ein Persönlichkeitsmerkmal, dessen wahrgenommenes Vorhandensein die Gesamtinterpretation einer Zielperson nicht in bedeutsamer Weise verändert.
0 …ein peripheres Persönlichkeitsmerkmal.
0 …eine dispositionale, hervorstechende Eigenschaft, die von sozial Wahrnehmenden als integraler Bestandteil der Organisation der Persönlichkeit angesehen wird.
0 …ein Stimulus, der zu einem Primacy-Effekt führt.
11) Skizzieren Sie Fragestellung, methodisches Vorgehen und zwei zentrale Resultate der berühmten Studie “Pygmalion in the classroom“!
4P.
12) Was können Sie als Lehrkraft tun, um den Golem-Effekt zu minimieren? Erörtern Sie zwei Möglichkeiten.
13) Welche Aussage ist zutreffend? Im modernen Sexismus…
0 …wird eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts in Vergangenheit und Gegenwart geleugnet.
0 …werden Forderungen von Frauen nach mehr Gleichberechtigung abgelehnt, da diese ja mittlerweile erreicht sei.
0 …gibt es eine Übertonung von Unterschieden zwischen den Geschlechtern.
0 …gibt es einen Glauben an die Minderwertigkeit des weiblichen Geschlechts.
14) Welche Aussage zum “stereotype threat“ ist zutreffend?
0 Versuchspersonen, die in einer Experimentalsituation einer “stereotype threat”-Bedingung zugeordnet werden, reagieren eher im Sinne des induzierten Stereotyps als Versuchspersonen der Kontrollgruppe.
0 Die automatische Aktivierung von Stereotypen wird auch als “stereotype threat” bezeichnet.
0 Gordon W. Allport ist für seine Experimente zum “stereotype threat” berühmt geworden.
0 Die Forschung zum “stereotype threat” ist vor allem qualitativ-methodisch ausgerichtet.
15) Welche Aussage zum Milgram-Experiment ist zutreffend?
0 Wenn in dem Experiment zwei Versuchsleiter anwesend waren, die sich widersprachen, hatte dies keinen Effekt auf die Versuchspersonen.
0 Wenn in dem Experiment die Versuchsperson dem Opfer gegenüber saß, hatte dies keinen nennenswerten Effekt auf die Gehorsamsbereitschaft.
0 Wenn in dem Experiment ein Konföderierter ungehorsam war, hatte dies keinen Effekt auf die wirkliche Versuchsperson.
0 Gerade das Milgram-Experiment hat in der Psychologie dazu beigetragen, Diskussionen über Forschungsethik zu verstärken.
16) Welche Aussage zum Phänomen des Gruppendenkens nach Irving Janis ist zutreffend?
0 Der Einsatz eines “advocatus diaboli” kann Gruppendenken entgegenwirken.
0 Gruppen, die in der Gefahr sind, dem Gruppendenken anheimzufallen, haben in der Regel einen schwachen “Führer”.
0 Irving Janis hat seine zentralen Erkenntnisse zum Gruppendenken in sozialpsychologischen Laborstudien gewonnen.
0 Die Kohäsion der Gruppe ist kein wichtiger antezedenter Faktor für die Herausbildung von Gruppendenken.
17) Welche Aussage zur sozialpsychologischen Rassismusforschung trifft zu?
0 “Moderne Rassisten” behaupten etwa Afroamerikaner seien von Natur aus weniger intelligent als Europäer.
0 “Moderne Rassisten” leugnen die Existenz von Rassismus nicht
0 Als “neuere” bzw. “moderne” Formen des Rassismus werden “ambivalenter”, “symbolischer” und “aversiver” Rassismus diskutiert.
0 “Moderne Rassisten” befürworten affirmative Programme zur Herstellung von Chancengleichheit.
18) In dem Standardexperiment von Stanley Milgram …
0 …gehorchen 62,5% der Versuchspersonen dem Versuchsleiter bis zur maximalen Voltstärke von 450.
0 …verabreichte keine einzige Versuchsperson 450 Volt.
0 …verabreichten die allermeisten Versuchspersonen als maximale Schockstufe 135 Volt.
0 …weigerten sich die meisten Versuchspersonen nach Verabreichung zweier Schockstufen weiterzumachen.
19) Welche Aussage zur Frustations-Agressions-Hypothese trifft zu?
0 Die Frustations-Aggressions-Hypothese ging in ihrer Frühfassung davon aus, dass die Blockieurung von Zielen zu Frustation führe, die wiederum die Wahrscheinlichkeit aggressiven Verhaltens erhöhe.
0 Die Frustations-Aggressions-Hypothese erklärt Aggressionen als Produkte des Destruktionstriebes.
0 Die späte Fassung der Frustations-Aggressions-Hypothese ging davon aus, dass Frustation unter der Bedingung einer Frustation der Libido zu Aggression führe.
0 Die Frustations-Aggressions-Hypothese baut auf der dualen Instinkttheorie von Konrad Lorenz auf.
0 Die Frustations-Aggressions-Hypothese geht davon aus, dass der Konsum medial vermittelter Gewalt kathartisch wirkt.
20) Welche Aussage zur Ontogenese antisozialen Verhaltens ist zutreffend?
0 Moffitt unterscheidet zwischen persistenter Antisozialität und jugendtypischer Delinquenz.
0 Persistente Antisozialität wird u. a. mit Verweis darauf erklärt, dass Jugendliche symbolisch den Erwachsenenstatus vorwegnehmen wollen.
0 Jugendtypische Delinquenz wird als eine internalisierende Form der Problembewältigung betrachtet.
0 Jugendtypische Delinquenz wird u. a. mit Verweis auf traumatische Erfahrungen in der frühen Kindheit erklärt.
0 Jugendtypische Delinquenz ist insbesondere ein weibliches Phänomen.
21) Welche Aussage zum Begriff der Aggression bzw. des antisozialen Verhaltens ist zutreffend?
0 Antisoziale Verhaltensweisen sind Handlungen, die soziale Regeln in einer nicht tolerablen Weise verletzen. Dabei sind soziale Regeln und die Weite der Toleranz keinem soziokulturellen Wandel unterworfen.
0 Antisoziale Verhaltensweisen sind Handlungen, die soziale Regeln in einer nicht tolerablen Weise verletzen. Dabei kann man zwischen expliziten und impliziten Regeln unterscheiden.
0 Aggressive Verhaltensweisen sind Handlungen, die darauf abzielen, einem anderen zu schaden. Folglich ist der Zahnarzt, der seinen Bohrer in den Mund seines Patienten bringt, stets aggressiv.
0 Aggressive Verhaltensweisen sind Handlungen, die darauf abzielen, einem anderen zu schaden. Folglich ist der Schuss, den jemand mit Tötungsabsicht auf eine andere Person feuert, nur dann aggressiv, wenn die Kugel ihr Ziel auch tatsächlich erreicht.
22) Welche Aussagen zu Solomon Aschs Standardexperiment zum Konformitätsdruck ist zutreffend?
0 Zur Erklärung des Asch-Effekts wird u. a. auf den normativen Einfluss verwiesen. Dabei wird davon ausgegangen, dass wir ein Bedürfnis nach Sympathie und Anerkennung durch eine Gruppe wollen und Ablehnung vermeiden wollen.
0 Asch geht von der Übereinstimmung zwischen öffentlicher und privater Konformität aus.
0 Asch macht sich den autokinetischen Effekt für sein Experiment zunutze.
0 Die Konföderierten im Asch-Experiment trugen Brillen mit sehr dicken Brillengläsern.
23) Welche Aussagen zu Fritz Heiders Attributionstheorie ist zutreffend?
0 Beim Attribuieren wird internal (bzw. situational) oder external (bzw. dispositional) attribuiert.
0 Menschen haben das Bedürfnis, Verhalten kausal zu erklären.
0 Menschen sind “naive Wissenschaftler”. Die Theorien, die sich über sich selbst und andere bilden, sind allerdings für ihr Verhalten nicht relevant.
0 Erfolgsorientierte Lerner attribuieren bei Erfolg external variabel.
24) In der Konfliktforschung geht man davon aus, dass…
0 …Menschen dazu neigen, innerhalb ihrer Gruppe die Unterschiede der Individuen und zwischen den Gruppen die bestehenden Ähnlichkeiten zu betonen.
0 …Unzulänglichkeiten von Fremdgruppenmitgliedern oftmals external, Unzulänglichkeiten von Eigengruppenmitgliedern oftmals internal attribuiert werden.
0 …Stereotpye den Aufbau konsistenter Ansichten über die Eigenschaften von Personen und Gruppen zur Folge haben.
0 … Stereotype die Interpretation sozialer Ereignisse erschweren.
25) Welche Aussagen zum Begriff des Konflikts bzw. zu Merkmalen des Konflikterlebens trifft zu?
0 Eine Person, die einen Konflikt erlebt, antizipiert in der REgel die Folgen ihrer Entscheidung nicht.
0 Eine Person, die einen Konflikt erlebt, spürt in der Regel einen Druck, die konfliktträchtige Situation zu beenden.
0 Ein sozialer Konflikt liegt dann vor, wenn eine Person (mindestens zwei) Tendenzen erfährt, die sie entweder gleichzeitig nicht realisieren kann oder für unvereinbar hält.
0 Eine Person, die einen Konflikt erlebt, empfindet die Situation in der Regel als angenehm.
26) Welche der folgenden Aussagen zur Kontakthypothese ist zutreffend?
0 Die Kontakthypothese wurde von Muzafere Sherif aufgestellt.
0 Damit Kontakte zwischen Angehörigen unterschiedlicher Gruppen im Sinne der Reduzierung von Vorurteilen und Stereotypen wirken, reicht es, dass sie mit einer gewissen Häufigkeit stattfinden.
0 Die Kontakthypothese ist in praktisch-pädagogischen Kontexten bedeutungslos.
0 Die Kontakthypothese stammt von Gordon W. Allport.
0 Die Kontakthypothese kann heute als widerlegt gelten.
27) Welche Aussage zu Bezugsnormen ist korrekt?
0 “Robert gehört leistungsmäßig in das obere Drittel der Klasse”. Das ist eine Aussage, die auf eine kriteriale Bezugsnorm verweist.
0 Der Verweis auf die soziale Bezugsnorm hat stets demotivierenden Charakter.
0 “Gegenüber der letzten Abfrage hast Du dieses Mal weniger Fehler gemacht, auch wenn es noch immer nicht zu einer befriedigenden Note gereicht hat”. Das ist eine Aussage, die auf die ipsative Bezugsnorm verweist.
0 Der Verweis auf die ipsative Bezugsnormen hat stets motivierenden Charakter.
28) Welche Aussagen zu Serge Moscovicis Experimenten zum Minoritäteneinfluss ist zutreffend?
0 Für Moscovici ist die Konsistenz der Minderheit nur ein Element unter vielen bei der Erklärung des Minoritäteneinflusses.
0 Moscovicis Vorexperiment wird manchmal als eine Umkehrung des Asch-Experiments zur Konformität bezeichnet. Das ist allerdings eine unzutreffende Charakterisierung.
0 Unabhängige Forscherteams konnten Moscovicis Befunde aus seinem Hauptexperiment replizieren.
0 Der Clou des Hauptexperiments besteht in der Nutzung von Nachbildern.
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