1) Welche Aussage zum Gegenstandsverständnis der Sozialpsychologie ist zutreffend oder sind gar alle der Aussagen zutreffend?
(In jedem Falle ist eine Antwortalternative anzukreuzen.)
0 Die Sozialpsychologie ist eine empirisch verfahrende Wissenschaft, in der gerade das Experiment als "via regia" (Königsweg) der Erkenntnis gilt.
0 In der psychologisch orientierten Sozialpsychologie wird im Vergleich zur soziologisch orientierten Sozialpsychologie gesellschaftlichen Faktoren bei der Beschreibung und Erklärung sozialer Prozesse mehr Aufmerksamkeit gewidmet.
0 Eine psychologische Untersuchung wird ausschließlich dann zu einer sozialpsychologischen Untersuchung, wenn in ihr die Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen von Personen durch die tatsächliche Anwesenheit anderer Personen beeinflusst werden.
0 Jede der obigen Alternativen ist zutreffend.
1P.
2) Worum ging es in der Marienthalstudie? Skizzieren Sie die Fragestellung dieser klassischen Untersuchung, ihr methodisches Vorgehen und ein zentrales Ergebnis.
3P.
Die Arbeitslosen von Marienthal (1933)
○ Hintergrund: Zusammenbruch der Textilindustrie in Marienthal
→ massive Arbeitslosigkeit der Bevölkerung
○ Frage: Was sind die psycholog. Folgen der Arbeitslosigkeit?
○ Methoden: Teilnehmende Beobachtung, Interviews, Tagebuchanalysen, Fragebögen, Messung der Gehgeschwindigkeit
○ Resultate:
• Typen der Verarbeitung
• Verlust der Zeitstruktur; „die müde Gemeinschaft“
→ widerspricht Ausgangserwartung von revolutionären Gefühlen und
Widerstand gegen Arbeitslosigkeit
3) Nennen Sie zwei Pioniere der Sozialpsychologie.
2P.
• G.H. Mead
• M. Sherif
4) Welche Aussagen zum “Lehrererwartungseffekt” ist zutreffend?
0 Der Lehrererwartungseffekt besagt, dass Schülerinnen und Schüler, von denen ihre Lehrkräfte erwarten, dass sie sich im Hinblick auf ihre Leistungen günstig entwickeln werden, vergleichsweise besser bewertet werden, obwohl sie tatsächlich keine besseren Leistungen erbringen.
0 Man unterscheidet zwischen "Golem-" und "Galathea-" Effekt.
0 Ältere Schülerinnen und Schüler sind eher vom Lehrererwartungseffekt betroffen als jüngere Schülerinnen und Schüler.
0 Mädchen sind eher als Jungen vom Lehrererwartungseffekt betroffen.
5) Nennen Sie drei Traditionslinien der Sozialpsychologie und beschreiben Sie kurz ihre charakteristischen Merkmale.
psychologische Sozialpsychologie
soziologische Sozialpsychologie
analytische Sozialpsychologie
z. B. Lewin, Festinger, Campbell, Schachter, Asch, F. H. Allport
z. B. Mead, Goffman, French, Homans, Bales
z. B. Fromm, Mitscherlich
è Fokus auf das Individuum und seine Gedanken/Gefühle
è Fokus auf soziale Rollen und Interaktionen
è verbindet Sozialpsychologie mit Psychoanalyse
è Wie beeinflussen andere Menschen das Denken und Verhalten einer Person?
è Wie prägt die Gesellschaft das Verhalten von Menschen?
è Welche unbewussten psychischen Prozesse beeinflussen soziales Verhalten?
6) Welcher der folgenden Konfliktlösungsansätze ergibt sich aus einschlägigen kognitiven Theorien zur Beschreibung und Erklärung der Konfliktentstehung?
(Es gibt eine Frage, wo man zwei richtige Sachen ankreuzen muss (a und c)?)
0 Hilfreich bei Versuchen zur Konfliktlösung ist die Verstärkung gemeinsamer Interessen.
0 Hilfreich bei Versuchen zur Konfliktlösung ist die Betonung unterschiedlicher Interessen.
0 Hilfreich bei Versuchen zur Konfliktlösung sind Erfahrungen erfolgreicher Zusammenarbeit.
0 Hilfreich bei Versuchen zur Konfliktlösung ist die Fokussierung weniger Kategorien zur Klassifizierung von Merkmalen.
7) Was können Sie als Lehrkraft unternehmen, um den Lehrererwartungseffekt zu minimieren?
Erörtern Sie zwei Möglichkeiten.
• möglichst objektive Leistungsbewertung (z. B. anonymisierte Schulaufgaben statt Namen)
• Vermeidung von Vorinformationen durch andere Lks oder frühere Noten; eigenes Bild machen
8) Erklären Sie Aggression auf der Grundlage des operanten Konditionierens!
Aggression kann durch operantes Konditionieren gelernt und aufrechterhalten werden.
Wenn aggressives Verhalten zu positiven Folgen führt, wird es wahrscheinlicher wieder gezeigt.
Beispiele:
Ein Schüler schubst andere und bekommt dadurch Aufmerksamkeit.
Ein Kind schreit und bekommt dann, was es will.
Eine Person droht und setzt sich dadurch durch.
Dann wirkt Aggression als verstärktes Verhalten.
9) Welche Aussage zu Stanley Milgram’s Experimenten zu Gehorsam ist NICHT zutreffend?
0 Zunehmende Nähe zum Opfer senkt die Gehorsamsbereitschaft.
0 Die Versuchspersonen brechen das Experiment auch dann nicht ab, wenn zwei statusgleiche Versuchsleiter über dessen Fortführung oder Beendigung entgegengesetzte Anordnungen erteilen.
0 Eine Bedingung für Gehorsam scheint die körperliche Anwesenheit der Autoritätsfigur zu sein.
0 Die beobachtete "Meuterei" anderer scheint ein besonders wirksames Mittel zu sein, Gehorsamsbereitschaft zu destruieren.
Die Versuchspersonen brechen das Experiment auch dann nicht ab, wenn zwei statusgleiche Versuchsleiter über dessen Fortführung oder Beendigung entgegengesetzte Anordnungen erteilen.
10) Welche Aussage zum Stanford-Prison-Experiment ist NICHT zutreffend?
0 Die Kritik am Experiment umfasst sowohl ethische als auch methodisch-konzeptuelle Einwände.
0 Die "Wärter" waren sadistisch veranlagt.
0 Am Abend des 6. Tages musste das Simulationsgefängnis geschlossen werden.
0 Beginnende Solidarität unter den "Gefangenen" wurde mit subtilen psychologischen Taktiken gebrochen.
0 Zimbardo war Versuchsleiter und Gefängnisdirektor in einem.
11) Was heißt im Kontext der Vorurteilsforschung “double standard of ageing”?
• Double Standard of Ageing: Frauen nicht in gleicher Weise von
Altersvorurteilen betroffen wie Männer
12) Führen Sie zwei Charakteristika des “modernen Sexismus” an.
• Anerkennung früherer Diskriminierung, Leugnung aktueller Diskriminierung
• Annahme: Geschlechter-Gleichberechtigung bereits erreicht
• Ablehnung weiterer Gleichstellungsforderungen von Frauen
13) Von welchen Vermittlungsgliedern zwischen Lehrererwartung und Leistungsverhalten geht man zur Erklärung des Pygmalion-Effekts aus?
4P.
Ablauf:
1) Erwartungen „im Kopf“ der Lehrkraft
2) Kommunikation der Erwartung
3) Wahrnehmung der Lehrererwartung durch den Schüler
4) Übernahme der Lehrererwartung in das eigene Selbstkonzept
5) Erwartungskonformes Leistungsverhalten
14) Welche Aussage zur Stereotypenforschung ist NICHT zutreffend?
0 Stereotype akzentuieren den affektiven Teil von Vorurteilen.
0 Der Begriff des Stereotyps wurde von einem Journalisten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in die Sozialwissenschaften eingeführt.
0 Der Begriff des Stereotyps stammt ursprünglich aus der Drucktechnik.
0 Vorurteil ist der Oberbegriff, Stereotyp ein Unterbegriff davon.
Stereotype akzentuieren den affektiven Teil von Vorurteilen.
15) Nennen Sie drei situative Faktoren, die zur Entstehung von Aggression beitragen können und erläutern Sie an einem dieser Faktoren, weshalb es zu kurz greift, von einer direkten Wirkung solch situativer Faktoren auszugehen!
○ Alkoholkonsum
-> Erwartungseffekt: Personen, die wissen Alkohol konsumiert zu haben, zeigen aggressiveres Verhalten als Personen, die unwissend Alkohol konsumiert haben
○ Lärm
○ Schmerzen
16) Lassen sich aus dem Milgram-Experiment Konsequenzen für die schulische Praxis ziehen? Begründen Sie knapp!
• Förderung von Eigenverantwortung
• Ermöglichung von Widerspruch/Kritik gegenüber Autoritäten
• Ziel: kritische Reflexion von Autorität & Vermeidung automatisierten Befolgens von Anweisungen
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