In welche Gruppen werden Hormone chemisch eingeteilt? Nenne jeweils beispiele
Aminosäurenderivate
NNM Hormone (hydrophil, frei transportiert, HWZ mehrere Minuten)
Schilddrüsenhormone (hydrophob, gebunden transportiert, lange HWZ)
Steroidhormone
NNR-, Sexualhormone, meist gebunden an Plasma-, Transportproteine, HWZ mehrere Stunden
Steroidhormonanaloga
Vitamin D (HWZ mehrere Wochen)
Peptid-, Proteohormone
Hypothalamus, Hypophysen-, Pankreashormone, kardiale/GIT Hormone (hydrophil, meist frei transportiert, HWZ Minuten bis Stunden) Präprohormon, Prähormon, Hormon
Welche Wirkstoffe sind am Östrogenrezeptor aktiv?
Östrogenderivate:
Ethinylestradiol
Mestranol
Konjugierte Östrogene
—> Längere HWZ, oral wirksam
Selektive Östrogenrezeptormodulatoren (SERMs)
Raloxifen, Ospemifen (ATC: SERM)
Tamoxifen, Fulvestrant (ATC: Antiöstrogen)
Clomifen (ATC: Ovulationsauslöser)
—>nur Teil der Östrogenwirkungen, bzw. Östrogenrezeptorantagonisten
wie wirken SERMs?
Zellspezifische Wirkung wird durch Ausstattung und Expressionsdichte einer Zelle mit Coaktivatoren, Corepressoren, Rezeptorsubtypen ERa und ERß bestimmt
SERMs induzieren Konformation verschieden von klassischen Agonisten oder Antagonisten
Östrogen-agonistische/-antagonistische Wirkungen in bestimmten Geweben (haben beides, je nach Ort?)
Nutzen:
Agonismus bei Raloxifen: Osteoporose
Antagonismus bei Tamoxifen: Brustkrebs
Nenne ein Beispiel für ein SERD
Fulvestrant
Wie wirken SERDs, nenne eine Indikation
Reiner kompetitiver ER-Antagonist, induziert DOWN-Regulation/Degradation von Rezeptor
Indikation: Bei Hormonrezeptorpositivem Mamma-Karzinom
wie werden progesteronrezeptor-aktive Wirkstoffe noch genannt?
Gestagene
In welche Gruppe können Gestagene eingeteilt werden?
Derivate mit/ohne androgene Wirkung
Derivate mit antiandrogener Wirkung
Antigestagene
in welche Generationen lassen sich Gestagenderivate mit/ohne androgene Wirkung einteilen? Nenne Beispiele
1./2. Generation: Norethisteron, Levonorgestrel
3. Generation: Gestoden, Desogestrel, Norgestimat
Weiters: Medroxyprogesteronacetat
—>längere HWZ, oral wirksam
Nenne Beispiele für Gestagenderivate mit antiandrogener Wirkung und ordne diese nach Wirksamkeit
Cyproteronacetat > Dienogest > Drospirenon > Chlormadinon
Nenne 3 Beispiele für Antigestagene
Partielle Antagonisten/SPRMs (selective progesterone receptor modulators)
Mifepriston (pA)
Ulipristal (SPRM)
Nenne therpeutische Anwendungen der Östrogene
Östrogene
SUbstitutionstherapie
postmenopausale Hormontherapie
(Osteoporoseprophylaxe/therapie)
orale Kontrazeption
SERMs:
Osteoporose
östrogenabhängige Tumore
Ovulationsauslösung
Aromatasehemmer
östrogenabhängige Tumore (postmenopausal)
Nenne therapeutische Anwendungen der Gestagene
Progesteron
Schwangerschaftserhaltung
synthetische Gestagene
orale Kontrazeption postmenopausaler Hormontherapie (zu. zu Östrogenen)
Zyklusstörungen
Akne, Hirsutismus (Antiandrogene)
Antigestagene:
medikamentöser Abort
postkoitale Kontrazeption
Nenne ausgewählte therapeutische Anwendungen der Androgene
Testosteron
Substitutionstherapie (primärer, sekundärer Hypogonadismus)
Anabolika (obsolet, Abusus)
Antiandrogene
bsp. Biclutamid,, Enzalutamid
androgenabhängige Tumoren (Prostata-Karzinom)
LH-RH (GnRH)-R Agonisten
bsp. Leuprorelin
homonabhängige Tumoren (Prostata-Ca, Mamma-Ca vor Menopause)
LH-RH (GnRH)-R Antagonisten
androgenabhängige Tumoren (Prostata-Ca)
5a Reduktasehemmer
bsp. Finasterid
benigne Prostatahyperplasie
Nenne 2 Beispiele für Antitumortherapie mit Hormonen
Fortgeschrittenes Prostatakarzinom: Androgendeprivationstherapie
Orchiektomie oder GnRH-Rezeptor Agonisten/Antagonisten (+- Antiandrogene)
Metastasierendes hormonrezeptopositives Mammakarzinom: endokrine Therapie
GnRH Rezeptor Agonisten
Antiöstrogene (+ Ovariektomie): Tamoxifen, Fulvestrant
Aromatasehemmer (bei postmenopausalen Frauen): Exemestan, Anastrozol
Was sind Merkamale der Menopause?
EInteilung: Menopause, Prämenopause/Perimenopause, Postmenopause
Durchschnittlich um 50. LJ
Unregelmäßige Blutungen, anovulatorische Zyklen
Durchschnittliche Lebenserwartung nach Menopause: etwa 30 Jahre
Welche generellen Beschwerden können in der Menopause auftreten?
sehr häufig, 50-80% aller Frauen
Kardiovaskuläres System, Vasomotorische Symptome:
Hitzewallungen (Flushes, zentralnervös mediiert, LH Freisetzung)
Selbst-limitiert, verschwinden innerhalb von 5 Jahren
Vegetativum/Befinden
Schweißausbrüche
Schlaflosigkeit
Stimmungsschwankungen, Depressionen
Urogenitaltrakt: vaginale Atrophie, verminderte Sensorik
Trockene Vaginalschleimhaut
Begünstigt Harnwegsinfekte und -inkontinenz
Sexuelle Dysfunktion
Entwicklung von Osteoporose und nicht-traumatischen Frakturen
Erhöhung des Risikos kv Erkrankungen: Verlust des antiatherogenen Schutzes
Nicht gesichert: Demenzrisiko
—> Achtung: manche, nicht alle Östrogenmangelsymptome sprechen auf Hormontherapie an, individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung
Welche Wirkungen hat Östrogen auf KV/Lipidparameter?
Erhöhte fibrinolytische Aktivität
Reduktion von LDL, Erhöhung von HDL
Hemmung der LDL Oxidation
Erhöhte endotheliale Funktion (Vasodilatation, bei gesunden Gefäßen)
Verzögerung der Atheroskleroseentwicklung in Gefäßwand
Aber:
Erhöhung Triglyceridspiegel
Aktivierung der Blutgerinnung
Welchen gesicherten Nutzen zeigt postmenopausale Hormontherapie in der WHI/Hers Studie?
Vasomotorische Menopause-Beschwerden: sehr effektive Kontrolle
Weniger wirksam: bsp. Clonidin, SSRIs, Vitamin E, Soja-Präparate, Phytoöstrogene
Osteoporotische Frakturen: reduziert (auch vertebral und Schenkelhals)
—> Achtung: Alternative Therapiestrategien existieren
Reduktion des kolorektalen Karzinomrisikos
Verminderung vaginaler Beschwerden und von HWIs (nur vaginale östrogen Applikation)
Hinweise für verminderte Mortalität bei „Jüngeren“ (nur bei früher Gabe: <10 Jahren nach Menopause)
welches gesichertes erhöhtes Risiko zeigt postmenopausale Hormontherapie in der WHI/Hers Studie?
Endometriumkarzinom: bei reiner Östrogenprophylaxe; verhindert durch gleichzeitige Gestagentherapie
Venöse Thromboembolien (bereits nach 1 Jahr)
Erhöhtes Brustkrebsrisiko (va bei kombinierter Therapie mit Gestagenen, unklar ob Präparateabhängig Ö mit Gestagen)
KHK (Kombitherapie mit Gestagenen, nicht bei jüngeren)
Schlaganfälle: alle altersgruppen
KHK Sekundärprophylaxe: kein Nutzen
Demenzrisiko: keine Verminderung (eher Trend zu ungünstiger Wirkung)
Harninkontinenz: Verschlechterung durch orale Therpie, möglicher Nutzen vaginaler Östrogenapplikation
Welche Unsicherheiten der postmenopausalen Hormontherpie gehen aus der WHI/Hers Studie hervor?
Weniger Daten für gesunde, junge perimenopausale Frauen (Hinweis für Minderung des KHK Risikos bei perimenopausaler Therapie
Zunahme Schlaganfall-Risiko altersunabhängig, aber weniger relevant bei Jüngeren (da niedriges absolutes Risiko)
Unklar, ob Unterschiede dazwischen
Östrogen: konjugierte vs. Synthetisches Östrogen/Östradiol, Ö +P vs. Ö alleine
P: unterschiedliche Progestine: synthetisch oder bioident (große Studien hauptsächlich mit CEE + Medroxyprogesteronacetat
transdermale vs. Orale Östrogene
Nenne die Indikationen der postmenopausalen Hormontherapie
Kurzzeitbehandlung (3-5 Jahre) bei schwerem klimakterischen Syndrom (mit strenger Indikationsstallung, so kurz wie möglich) unmittelbar nach Menopause
Therapie/Prävention der Osteoporose nur wenn primäre Indikation andere postmenopausale Beschwerden
Lokale Therapie bei vaginalen Beschwerden
Nenne die Kontraindikationen der postmenopausalen Hormontherapie
KHK, Bluthochdruck
Schlaganfall/-risiko
Thromboembolierisiko
Brustkrebsrisiko, Östrogenabhängige Tumore
Lebererkrankungen
Was sind UAWs der postmenopausalen Hormontherapie?
- Hauptsächlich Zwischen-/Entzugsblutungen
- Andere UAWs siehe orale Kontrazeptiva
Welche therapeutischen Möglichkeiten bietet die postmenopausale Hormontherapie?
Östrogen und Gestagen in fixer Kombination
Meist bei älteren Frauen
Gestagen führt bei kontinuierlicher Einnahme zu atropher Uterusschleimhaut/Amenorrhoe
Aber: unregelmäßige Blutungen in den ersten 6 Monaten möglich
Östrogen und Gestagen: sequenziell mit Gestagenpause
Zyklus
Meist zunehmend schwächere Abbruchblutung
Gestagen-bedingter Aufbau von Uterusschleimhaut
Meist reguläre Entzugsblutung, häufig Schmierblutungen
Nur Östrogen
Nur bei Frauen ohne Uterus
Als Pflaster oder oral
Erkläre zwei beispiele für Östrogen und Gestagen in fixem Kombinationspräparat zur postmenopausalen Hormontherapie
Activelle: 1mg Östradiol, 0,5mg Norethisteronacetat
Femoston: 0,5mg Östradiol, 2mg Dydrogesteron
—> keine Menstruationsblutungen induziert
Was ist Norethisteronacetat?
Progestin der 1./2. Generation mit geringerer androgener Wirkung als Levonorgestrel
Erkläre 3 verschiedene östrogen und Gestagen Kombipräparate, die mit Pause zur postmenopausalen Hormontherapie verwendet werden
Trisequens:
Östradiol 2/2/1 mg
Norethisteronacetat 0/1/0 mg
12 + 10+ 6 Tage sequenziell
Femoston
Östradiol 2/2mg
Dydrogesteron 0/10mg
14 + 14 sequenziell
Femseven (Combi 50µg/10µg/ 24 Stunden)
Depotpflaster
Östradiol 50µg/25h
Levonorgestrel 10µg/24h
Pflaster je 1x wöchentlich 14+14 sequenziell (2 Phase 1 + 2 Phase 2)
Was gilt bei der reinen Östrogensubstitution bei postmenopausaler Hormontheraie zu beachten?
bei nicht-hysterektomierten Frauen nur mit zusätzlicher Gestagentherapie (Gestagen hemmt Östrogen-bedingte Endometriumhyperplasie und reduziert Risiko für Endometriumkarzinom
bsp Transdermales Gel, Filmtabletten
enthalten nur Östradiol als Östrogenkomponente
derzeit empfohlen: transdermale Östrogenapplikation
auch Ostriolhaltige Vaginalcreme, Vaginalovula bei vulvovaginalen Beschwerden bei Östrogenmangel
Nenne Indikationen für Tibolon (Liviel)
Klimakterische Beschwerden
Osteoporoseprävention bei Hochrisikopatientinnen und fehlender therapiealternative
Wie lautet der Wirkmechanismus von Tibolon?
Metaboliten mit östrogenen, gestagenen und leicht androgenen Wirkungen
Erkläre das Wirk- und Sicherheitsprofil von Tibolon
Günstig auf Knochendichte, reduziert Frakturrisiko (vertebral, extravertebral)
Erhöht Schlaganfallrisiko (va. im 1. Jahr und bei >70 Jährigen)
Erhöhte Rezidivrate bei Mammakarzinompatienten
UAW wie bei Kombinationspräparaten
Unklar:
KHK-Risiko, Thromboembolierisiko: vermutlich nicht erhöht
Endometriumkarzinomrisiko
Mamma und Kolonkarzinomrisiko
Weniger Metrorrhagien
Nenne Alternativtherapien bei postmenopausalen BEschwerden
Flüssigextrakt aus Traubensilberkerze
Wirkung unklar, Studienlage unklar, gut verträglich
Soya (Soyaprotein, Isoflavone)
postuliert: günstige Effekte auf Hitzewallungen und Vaginalepithel
unklar was es bewirkt
Isoflavone (Soya, Rotklee): Phytoöstrogene
unwirksam gegen Hitzewallungen, gut verträglich
Östrogenwirkungen und MammaCa ?
Ipriflavon (synthetisches Isoflavonoid)
kein Einfluss auf Knochendichte
UAW: Lymphozytopenie
Nachtkerzenöl, Angelica sinensis, Ginseng
VItamin E: kein erwiesener klinischer Nutzen
Zu welcher Gruppe gehört Fezolinetant?
= Neurokinin-3- Rezeptorantagonist
Beschreibe den Wirkungsmechanismus von Fezolinetant
Neurone im thermoregulatorischen Zentrum des Hypothalamus werden durch Östrogene gehemmt und durch Neurokinin B stimuliert
Durch sinkenden Östrogenspiegel während des Klimakteriums fällt deren präsynaptische Hemmung auf die Neurokinin-B-Freisetzung weg
gesteigerte Aktivität im thermoregulatorischen Zentrum resultiert im VMS
Nenne die Indikation von Fezolinetant
Behandlung von moderaten bis schweren vasomotorischen Symptomen, die mit der Menopause assoziiert sind
Beschreibe die UAWs von Fezolinetant
Transaminasenanstiege, Lebertoxizität (FDA Warning, Leberwertkontrolle)
Langzeitsicherheit noch unklar
Kein Vorteil ggü Östrogenen derzeit belegt, Langzeitwirkung unklar ABER unterschiedliches Risikoprofil: Alternative bei Frauen mit Kontraindikation für Hormontherapie bzw. bei Östrogensuppressiver Therapie (Mammakarzinom)
Kosten: >1100 € pro Jahr
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