Affektive Störung (Depression)
Kategorie
Affektive Störungen (Depression)
Klassifikation
Depressive Episode (F32), rezidivierende depressive Störung (F33); Schweregrad: leicht, mittel, schwer
Diagnostik
Mind. 2 Wochen; Kernsymptome: depressive Stimmung, Interessenverlust, Antriebsmangel; Zusatzsymptome: Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Schuldgefühle, Appetitveränderungen, Suizidgedanken
Epidemiologie
Lebenszeitprävalenz ca. 15-20 %; Frauen häufiger; Beginn meist im jungen Erwachsenenalter
Ätiologie
Multifaktoriell: genetische Vulnerabilität, Neurobiologie, belastende Lebensereignisse, dysfunktionale Kognitionen (Beck), verminderte positive Verstärkung
Behandlungsstrategien
Psychoedukation, KVT (Verhaltensaktivierung, kognitive Umstrukturierung), Interpersonelle Psychotherapie, Antidepressiva, Rückfallprophylaxe
Angststörungen
Umfassen u. a. Panikstörung, Agoraphobie, Spezifische Phobie, Soziale Angststörung und Generalisierte Angststörung (GAS).
Übermäßige, anhaltende und situationsunangemessene Angst mit deutlichem Leidensdruck oder Einschränkungen. Je nach Störung unterschiedliche Leitsymptome: z. B. Panikattacken, Vermeidungsverhalten oder anhaltende Sorgen.
Zu den häufigsten psychischen Störungen. Lebenszeitprävalenz ca. 15-20 %. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen. Beginn meist im Kindes-, Jugend- oder frühen Erwachsenenalter.
Multifaktoriell: genetische Vulnerabilität, neurobiologische Faktoren, Lernerfahrungen (klassische und operante Konditionierung), kognitive Fehlbewertungen von Gefahr sowie Vermeidungsverhalten als aufrechterhaltender Faktor.
Kognitive Verhaltenstherapie mit Exposition (Methode der Wahl), Psychoedukation, kognitive Umstrukturierung und Abbau von Vermeidungsverhalten. Ergänzend ggf. SSRI/SNRI; Benzodiazepine nur kurzfristig.
Somatische Belastungsstörung
Gehört zu den somatischen Belastungs- und verwandten Störungen. Im Vordergrund stehen belastende körperliche Beschwerden mit Übermäßigen Gedanken, Gefühlen oder Verhaltensweisen im Zusammenhang mit diesen Beschwerden.
Anhaltende körperliche Beschwerden, die erheblichen Leidensdruck verursachen. Entscheidend sind nicht fehlende organische Befunde, sondern die Übermäßige Beschäftigung mit den Symptomen und deren Folgen.
Häufige Störung in der Allgemeinbevölkerung und in der hausärztlichen Versorgung. Frauen sind etwas häufiger betroffen. Beginn oft im frühen Erwachsenenalter.
Multifaktoriell: genetische und biologische Faktoren, erhöhte Körperaufmerksamkeit, Fehlinterpretation körperlicher Signale, Lernerfahrungen, Stress sowie psychosoziale Belastungen.
Psychoedukation, Kognitive Verhaltenstherapie (Umgang mit Körpersymptomen, Veränderung dysfunktionaler Krankheitsüberzeugungen), Förderung von Aktivität; Behandlung komorbider Depression oder Angststörungen, ggf. medikamentös.
Zwangsstörungen
Zwangsstörung
Gehört zu den Zwangs- und verwandten Störungen. Unterschieden werden Zwangsgedanken, Zwangshandlungen oder eine Kombination aus beiden.
Wiederkehrende Zwangsgedanken (z. B. KontaminationsÄngste) und/oder Zwangshandlungen (z. B. Kontrollieren, Waschen), die als Übertrieben erkannt werden, Leidensdruck verursachen und viel Zeit beanspruchen.
Lebenszeitprävalenz ca. 2-3 %. Frauen und Männer etwa gleich häufig betroffen. Beginn meist im Jugend- oder frühen Erwachsenenalter.
Multifaktoriell: genetische und neurobiologische Faktoren, Lerntheorien (negative Verstärkung durch Rituale), dysfunktionale Überzeugungen (z. B. Überhöhtes Verantwortungsgefühl, Perfektionismus).
Kognitive Verhaltenstherapie mit Exposition und Reaktionsmanagement (ERP) als Methode der Wahl, Psychoedukation, kognitive Umstrukturierung; bei Bedarf SSRI.
Substanzbezogene Störungen
Umfassen Störungen durch Alkohol, Nikotin, Cannabis, Opioide, Stimulanzien u. a. Unterschieden werden u. a. schödlicher Gebrauch und Abhängigkeit.
Typische Merkmale sind Kontrollverlust, starkes Verlangen (Craving), Toleranzentwicklung, Entzugssymptome, Vernachlässigung anderer Lebensbereiche und fortgesetzter Konsum trotz negativer Folgen.
Alkohol- und Nikotinstörungen gehören zu den häufigsten Suchterkrankungen. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.
Multifaktoriell: genetische Vulnerabilität, neurobiologische Veränderungen des Belohnungssystems, Lernerfahrungen, psychosoziale Belastungen sowie Umwelt- und Verfügbarkeitsfaktoren.
Motivierende Gesprächsführung, Entgiftung (bei körperlicher Abhängigkeit), Entwöhnungsbehandlung, KVT, Rückfallprophylaxe, Selbsthilfegruppen; je nach Substanz unterstützende Medikamente (z. B. Acamprosat oder Naltrexon bei Alkoholabhängigkeit).
Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
Traumafolgestörung, die nach dem Erleben oder Beobachten eines extrem belastenden Ereignisses auftritt.
Kernsymptome sind Intrusionen (Flashbacks, Albträume), Vermeidung traumaassoziierter Reize, negative Veränderungen von Stimmung und Kognitionen sowie Hyperarousal (z. B. Schreckhaftigkeit, Schlafstörungen). Die Symptome bestehen länger als einen Monat und verursachen erheblichen Leidensdruck.
Lebenszeitprävalenz ca. 2-8 %. Frauen sind häufiger betroffen. Nicht jedes Trauma führt zu einer PTBS; das Risiko hängt u. a. von Art und Schwere des Traumas ab.
Multifaktoriell: Trauma als Auslößser, genetische Vulnerabilität, neurobiologische Veränderungen, fehlende soziale Unterstützung sowie dysfunktionale Verarbeitung und Bewertung des Traumas.
Traumafokussierte KVT (v. a. Exposition), EMDR, Psychoedukation, Stabilisierung und Ressourcenarbeit; bei Bedarf SSRI zur Unterstützung.
Schizophrenie-Spektrum & psychotische Störungen
Schizophrenie-Spektrum und andere psychotische Störungen
Umfasst Schizophrenie sowie weitere psychotische Störungen. Typisch ist die Einteilung in Positiv-, Negativ- und kognitive Symptome.
Positivsymptome: Wahn, Halluzinationen, formale Denkstörungen. Negativsymptome: Affektverflachung, Antriebsmangel, sozialer Rückzug. Häufig zusätzlich kognitive Beeinträchtigungen.
Lebenszeitprävalenz ca. 1 %. Erkrankungsbeginn meist zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr; Männer erkranken häufig etwas früher.
Multifaktoriell: starke genetische Belastung, Dopaminhypothese, neuroentwicklungsbedingte Veränderungen sowie psychosoziale Stressoren (Vulnerabilitäts-Stress-Modell).
Antipsychotische Medikamente sind die Basis der Behandlung. Ergänzend Psychoedukation, KVT bei Psychosen, Familieninterventionen, soziales Kompetenztraining und Rehabilitation.
Persönlichkeitsstörungen
Tief verwurzelte, überdauernde und unflexible Muster des Erlebens und Verhaltens mit Beginn in der Adoleszenz oder im frühen Erwachsenenalter. Im ICD-10 Einteilung in verschiedene Persönlichkeitsstörungen (z. B. Borderline, dissozial, zwanghaft), im ICD-11 stärker nach Schweregrad und Persönlichkeitsmerkmalen.
Anhaltende Abweichungen in Kognition, Affektivität, Impulskontrolle und zwischenmenschlichen Beziehungen mit deutlichem Leidensdruck oder Beeinträchtigungen.
Lebenszeitprävalenz ca. 10–15 % der Allgemeinbevölkerung. Häufig bestehen komorbide psychische Störungen.
Multifaktoriell: genetische Faktoren, Temperament, frühe Bindungs- und Beziehungserfahrungen, traumatische Erlebnisse sowie ungünstige Umweltbedingungen.
Psychotherapie ist die Behandlung der Wahl. Je nach Störung u. a. Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) bei Borderline, Schematherapie oder Mentalisierungsbasierte Therapie. Medikamente dienen vor allem der Behandlung komorbider Symptome, nicht der Persönlichkeitsstörung selbst.
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