Welche Positiv- und Negativsymptome gibt es bei Schizophrenie?
Positiv: Wahn, Halluzinationen, Ich-Störungen.Negativ („5 A“): Affektverflachung, Alogie, Apathie, Anhedonie, Asociality.
Welche ICD-11-Kriterien gelten für eine Schizophrenie?
≥ 2 Symptome, davon ≥ 1 aus Gruppe A, für ≥ 1 Monat.
A: Wahn, Halluzinationen, formale Denkstörung, Ich-Störungen. B: Negativsymptome, Desorganisation, psychomotorische Symptome. Substanzielle, organische und affektive Ursache ausschließen.
Wie kann eine Schizophrenie verlaufen?
Einmalige Episode mit Remission
Rezidivierende Episoden mit Remission/Residualsymptomen
Chronischer Verlauf mit anhaltenden Symptomen
Wie ist die Prognose der Schizophrenie?
Sehr variabel: vollständige/weitgehende Remission bis zu rezidivierendem oder chronischem Verlauf.
Welche Risikofaktoren gibt es für psychotische Erkrankungen/Schizophrenie?
Genetische Vulnerabilität + Umwelt-/Stressfaktoren, z. B. Cannabis. Weitere bekannte Faktoren: belastende Lebensereignisse, Urbanität/Migration, perinatale Risiken.
Wie ist die Epidemiologie der Schizophrenie?
Lebenszeitrisiko: ≈ 1 %
Ersterkrankung meist Adoleszenz bis Ende 20
Männer und Frauen etwa gleich häufig
Männer erkranken 3–4 Jahre früher.
Was besagt das Vulnerabilitäts-Stress-Modell?
Vulnerabilität + Umwelt-/Stressfaktoren → psychotische Symptome, wenn die individuelle Psychoseschwelle überschritten wird. Resilienz wirkt protektiv.
Welche Rolle spielt Dopamin bei Schizophrenie, was sind D2-Rezeptoren und wie wird deshalb therapiert?
↑ Dopaminaktivität im mesolimbischen System → v. a. Positivsymptome.D2-Rezeptoren = Dopaminrezeptoren.→ Antipsychotika blockieren D2-Rezeptoren und vermindern die Dopaminwirkung.
Welche Differentialdiagnosen müssen bei psychotischen Symptomen bedacht werden?
Substanzinduziert: Cannabis, Stimulanzien, Halluzinogene, Alkoholentzug
Organisch: Epilepsie, ZNS-Tumor, Autoimmunenzephalitis, endokrin, Infektionen, B12-Mangel
Affektiv: bipolar, Depression, schizoaffektiv
Primär psychotisch: Schizophrenie-Spektrum
Weitere: Dissoziation, PTSD, Borderline, Delir, Parkinson/Lewy-Body
Prinzip: Erst sekundäre Ursachen ausschließen, dann primär psychiatrisch einordnen.
Wie sind Mortalität und Morbidität nach Schlaganfall?
Inzidenz: 180–250/100.000. Nach 90 Tagen: 14,7 % verstorben, 57,2 % leicht, 9,4 % mittel, 18,6 % schwer behindert. Wichtigste Ursache erworbener dauerhafter Behinderung.
Wie verteilen sich die Ursachen eines Schlaganfalls?
80 % Ischämie, 15 % intrazerebrale Blutung, 5 % sonstige.
Was bedeutet „Time is brain“ und was ist die Penumbra?
Ischämie ist dynamisch: Mit zunehmender Dauer geht noch vitales, aber funktionsgestörtes Gewebe zugrunde.Penumbra = gefährdetes, noch rettbares Gewebe → schnelle Rekanalisation.
Was passiert auf einer Stroke Unit?
Vitalparameter kontrollieren: Temperatur, BZ, O₂, RR
frühe Rekanalisation: Lyse/Thrombektomie
frühe Sekundärprävention → senkt Mortalität und Morbidität.
Was ist die Lysetherapie? ICER?
Alteplase (rtPA) löst den Thrombus medikamentös auf → Rekanalisation.Zulassung bis 4,5 h nach Symptombeginn.ICER ≈ 7.000 $/QALY.
Was ist die mechanische Thrombektomie? ICER?
Kathetergestützte mechanische Entfernung/Aspiration des Thrombus.ICER ≈ 12.000 $/QALY, QALY-Gewinn 0,54.
Was ist die NIH-Stroke-Skala?
Standardisierte Erfassung des Ausmaßes neurologischer Defizite beim Schlaganfall.
Welche Ursachen kann eine zerebrale Ischämie haben?
26 % kardioembolisch: z. B. Vorhofflimmern/Klappen → Embolus aus Herz
21 % makroangiopathisch: große Gefäße, z. B. Carotisstenose
21 % mikroangiopathisch: kleine Gefäße, z. B. Hypertonie/Diabetes
4 % andere: z. B. Dissektion/Gerinnungsstörung
23 % unbekannt, 7 % mehrere Ursachen.
Wie erfolgt die Schlaganfallprophylaxe?
Primär: Risikofaktoren kontrollieren (v. a. RR, Cholesterin, Diabetes, Rauchen); bei VHF Antikoagulation.Sekundär: Ursache behandeln: nicht-kardioembolisch → ASS/Clopidogrel + Statin; kardioembolisch → Antikoagulation.Rezidivrisiko nach 1 Jahr: 5–20 %, Maximum erste 4 Wochen.
Welche Folgen hat eine intrazerebrale Blutung (ICB)?
Direkte Gewebedestruktion → Kompression/Ischämie → Hirnödem → ↑ Hirndruck → ↓ Perfusion.Bei 30 % relevantes Blutungswachstum in den ersten 6 h.
Wie kann man Ischämie, ICB und SAB klinisch grob unterscheiden?
Ischämie
ICB
SAB
Beginn
plötzlich/teils graduell
akut
Verlauf
Stunden
rasch, Minuten
rasch
Kopfschmerz
selten
stark
sehr stark
Bewusstsein
meist normal
oft getrübt
manchmal getrübt
Wie ist das grobe Vorgehen bei einer ICB?
CCT nativ → Blut hyperdens. Bei atypischer ICB: MRT + ggf. DSA, Labor.Dann Intensivmonitoring, RR <160 mmHg, Gerinnung korrigieren, Hirndruck behandeln, ggf. OP.
Wie ist die Prognose einer ICB?
30-Tage-Mortalität ≈ 40 %.
Was sind die Leitsymptome einer Subarachnoidalblutung?
Plötzlich heftigster Kopfschmerz („wie noch nie“) + Meningismus.Ggf. Bewusstseinsstörung, Hirnnervenausfälle, vegetative Symptome.
Was bedeutet: „80 % der nicht-traumatischen SAB sind aneurysmatisch“? Was kann man tun?
Bei ca. 80 % ist ein rupturiertes Hirnarterienaneurysma die Blutungsquelle.→ Aneurysma früh ausschalten durch Clipping oder Coiling zur Verhinderung der Rezidivblutung.
Was ist eine Sinusthrombose, was sind Leitsymptome und Therapie?
Thrombose eines zerebralen venösen Sinus → Abflussstörung → Hirnödem/Stauungsinfarkt.Leitsymptome: Kopfschmerz, epileptische Anfälle, Bewusstseinsstörung.Therapie: Heparin, ggf. Thrombektomie/Lyse.
Was ist ein Epiduralhämatom?
Meist arterielle Blutung (80 %), typischerweise aus der A. meningea media, meist traumatisch.Therapie: operative Entlastung/Kraniotomie.
Was ist ein Subduralhämatom?
Blutung durch Verletzung v. a. kortikaler-/Brückenvenen, seltener Arterien/Sinus.CT/MRT: sichelförmiges Hämatom; ggf. operative Entlastung.
Wieso macht man Liquordiagnostik?
Bei ZNS-/PNS-Entzündungen, malignen Zellen, Schranken-/Zirkulationsstörung, intrathekaler Immunreaktion, Liquordruckmessung, Tap-Test oder SAB-Nachweis.
Was sagt die Zellzahl im Liquor aus?
Hinweis auf Entzündung:<5/µl normal, <30 leichte Pleozytose, <300 mäßig/viral, >300 eher akut bakteriell.
Welche Implikationen haben Glukose- und Laktatgehalt im Liquor?
↓ Glukose + ↑ Laktat → Hinweis auf bakterielle Entzündung.Immer Serumwerte mitbeachten.
Was sagt ein erhöhter Eiweißgehalt im Liquor aus?
Hinweis auf gestörte Blut-Liquor-Schranke oder gestörte Liquorzirkulation.
Was sagt der spezifische Antikörper-Index (ASI) aus?
Zeigt, ob spezifische Antikörper intrathekal gebildet werden.<1,5 negativ; 1,5–4 Graubereich; >4 positiv
→ Hinweis auf eine entsprechende ZNS-Infektion/-Immunreaktion.
Beispiel: Bei Neuroborreliose stützt ein positiver Borrelien-ASI die Diagnose deutlich.
Wie grenzt man Meningitis und Enzephalitis klinisch ab?
Meningitis: Kopfschmerz, Fieber, Nackensteifigkeit, Photophobie.Enzephalitis: Bewusstseinsstörung, fokale Defizite, Krampfanfälle, EEG-Veränderungen.
Epidemiologie und typischer Erkrankungszeitpunkt bei Meningitiden?
Bakteriell 3–10/100.000, davon ⅓ Kinder <5 J.; viral 5–10/100.000.
Winter: Meningo-/Pneumokokken; Sommer: Listerien/Amöben.
Wie handelt man bei V. a. bakterielle Meningitis?
Septischer Notfall: Blutkultur → sofort behandeln.Antibiotika innerhalb 30–60 min, Diagnostik darf Therapie nicht verzögern; ITS, Isolation, Maske.
Vorgehen bei Meningokokken-Meningitis?
Therapie: Penicillin G, alternativ Cefotaxim/Ceftriaxon.Impfung, Meldepflicht, Isolation, Kontaktpersonen prophylaktisch behandeln bis 7 Tage nach letztem Kontakt.
Neuroborreliose/Lyme Disease: Epidemiologie und Stadien?
Übertragung v. a. durch Zecken.Akut <6 Monate: 90–95 %, chronisch >6 Monate: 5–10 %.Ca. 10 % mit Hautmanifestation entwickeln Neuroborreliose.
Welche diagnostischen Kriterien gelten für Neuroborreliose?
Möglich: typische Klinik + Borrelien-AK im Serum.Wahrscheinlich: zusätzlich entzündlicher Liquor.Gesichert: zusätzlich intrathekale Borrelien-AK/positiver ASI oder PCR.
Zahlen zur HIV-Epidemiologie?
37 Mio. Infizierte weltweit, 1,8 Mio. Neuinfektionen/Jahr, 1 Mio. Todesfälle/Jahr.
Für welche neurologischen Krankheitsbilder kann HIV die Ursache sein?
Sehr vielfältig: z. B. Demenz/Enzephalopathie, Schlaganfall/Vaskulitis, Myelopathie/Rückenmarkserkrankung, Neuropathien und opportunistische ZNS-Infektionen.
MS: genetische Faktoren, Prävalenz und Verlaufsformen?
Genetik: 1.-Grad-Verwandte ~5 %, beide Eltern 10–15 %, eineiige Zwillinge ~32 %;
HLA-DR2 Allele ↑ Risiko.
Prävalenz D: 200–250/100.000.
Verlauf: Aktiv/nicht Aktiv, mit oder ohne Progression
Was ist das Prinzip der Diagnose einer MS?
Räumliche Dissemination + zeitliche Dissemination + Ausschluss anderer Ursachen.
Was ist das Ziel der MS-Therapie?
NEDA = No Evidence of Disease Activity:kein Schub, keine MRT-Progression, keine neurologische Verschlechterung.
Was ist Myasthenia gravis?
Autoantikörper-vermittelte Erkrankung der neuromuskulären Endplatte → belastungsabhängige Muskelschwäche, z. B. Ptosis/Diplopie, Schluck- und Extremitätenschwäche.
Was macht man gegen Myasthenia gravis?
Symptomatisch AChE-Hemmung, zusätzlich Immuntherapie; bei schweren/refraktären Formen u. a. FcRn- oder Komplementinhibitoren.
Prävalenz und Inzidenz der Myasthenia gravis?
Weltweit ca. 700.000 Betroffene.Prävalenz 10–20/100.000, Inzidenz 0,3–2,8/100.000.
Was ist ein epileptischer Anfall?
Vorübergehende partielle oder totale Hirndysfunktion durch paroxysmale synchrone Entladungen von Neuronenverbänden.
Welche Ursachen kann ein erster epileptischer Anfall haben?
akut-symptomatisch
Erstmanifestation einer Epilepsie
unprovozierter Anfall ohne weitere Epilepsiehinweise.
Was ist ein akut-symptomatischer Anfall?
Anfall als Folge einer akuten strukturellen, entzündlichen, metabolischen oder toxischen ZNS-Schädigung, meist innerhalb von ca. 7 Tagen.
Wann kann ein erster Anfall bereits die Erstmanifestation einer Epilepsie sein?
Epilepsie bei:
≥2 unprovozierten Anfällen >24 h auseinander oder
1 Anfall + ≥60 % Rezidivrisiko in 10 Jahren oder
Epilepsiesyndrom.
Wie wahrscheinlich sind weitere Anfälle nach dem ersten Anfall?
Bei verursachender Hirnläsion: >60 %.Bei epilepsietypischem EEG: ≈90 %.
Was ist die sogenannte Aura?
Ein fokaler epileptischer Anfall bei erhaltenem Bewusstsein.Z. B. epigastrisches Gefühl, Halluzinationen, Angst, Déjà-vu.
Warum ist die Anamnese bei einem vermeintlich ersten epileptischen Anfall so wichtig?
Bei sorgfältiger Exploration finden sich bei ca. 50 % bereits frühere Anfälle → Epilepsiediagnose möglich.
Was sind die Hauptgründe für Fehldiagnosen bei Epilepsie?
Unvollständige Anamnese und Überinterpretation des EEG.
Was ist das EEG und welche Rolle spielt es bei Epilepsie?
Aufzeichnung der elektrischen Hirnaktivität.Kann Epilepsie unterstützen; ein negatives EEG schließt sie nicht aus.
Warum ist das MRT bei Epilepsie wichtig?
Zum Nachweis struktureller epileptogener Läsionen, z. B. Fehlbildungen, Sklerose, Tumor, Trauma.
Wie hoch sind die Krankheitskosten der Epilepsie in Deutschland?
Ca. 400.000 Betroffene. Kosten/3 Monate: ca. 2.600–4.900 €, bei pharmakoresistenter Epilepsie 7.850 €, bei >1 Jahr Anfallsfreiheit 3.596 €.
Welche nicht-epileptischen Differentialdiagnosen gibt es?
Psychogene Anfälle, Synkopen, Hypoglykämie, Panikattacken, Bewegungs-/Schlafstörungen, TIA, Migräne, transiente globale Amnesie.
Was passiert bei einer konvulsiven Synkope?
Kurzzeitige globale zerebrale Minderperfusion → Bewusstlosigkeit, dabei können kurze tonisch-klonische Bewegungen auftreten.
Woran erkennt man einen psychogenen Anfall eher als einen epileptischen?
Typisch ist die Unregelmäßigkeit/Variabilität der Bewegungen; sie folgen nicht dem stereotypen epileptischen Muster.
Wird ein akut-symptomatischer Anfall dauerhaft antiepileptisch behandelt?
Meist nein. Primär wird die akute Ursache behandelt; Dauertherapie nur bei entsprechendem Rezidivrisiko.
Was ist das Ziel der Therapie mit Antiepileptika?
Anfallsfreiheit.Rein symptomatische Therapie.
Welche drei Antiepileptika kann man breit einsetzen?
Lamotrigin, Levetiracetam, Valproat.
Cave: Valproat bei Frauen im gebärfähigen Alter.
Wie wahrscheinlich ist Anfallsfreiheit unter Antiepileptika? Was bei Therapieversagen?
Ca. 75 % werden anfallsfrei.Bei Pharmakoresistenz trotz 2 AED → Epilepsiechirurgie prüfen.
Wann macht man Epilepsiechirurgie und wie erfolgreich ist sie?
Bei pharmakoresistenter monofokaler Epilepsie mit gut resezierbarer Läsion.Anfallsfreiheit in bis zu 80 %; Option für ca. 5–10 % der Patienten.
Wann nutzt man Stimulationsverfahren und was ist das Ziel?
Bei Pharmakoresistenz ohne OP-Möglichkeit/gegen OP.VNS oder DBS geben elektrische Impulse zur Störung epileptischer Netzwerke.Ziel: Anfallsreduktion, nicht Heilung; Erfolg ca. 30–40 %, Anfallsfreiheit selten.
Was ist Narkolepsie, was ist das Leitsymptom und wie behandelt man sie?
Störung der Schlaf-Wach-Regulation durch Verlust von Hypokretin-Neuronen.Leitsymptom: starke Tagesschläfrigkeit, oft Kataplexien.Therapie symptomorientiert: Stimulanzien gegen Tagesschläfrigkeit, Antidepressiva gegen Kataplexie, Natrium-Oxybat gegen mehrere Symptome.
Was ist die gesetzliche Grundlage für Rehabilitation und Teilhabe?
SGB IX – Rehabilitation und Teilhabe, § 1: Selbstbestimmung und Teilhabe.
Welche Reha-Prinzipien gibt es?
Hilfe zur Selbsthilfe
Rehabilitationsbedürftigkeit = Defizit
Rehapotenzial = Besserungsprognose
Rehaziele = konkret/operationalisierbar
Rehabilitationsfähigkeit = z. B. Motivation, Belastbarkeit.
Welche gesetzlichen Vorgaben gibt es für den Ablauf von Reha-Maßnahmen?
Frühzeitig, nahtlos, interdisziplinär und flexibel.
Warum ist die Evaluation von Rehabilitation schwierig?
Reha ist individuell, störungsspezifisch, multidisziplinär und multidimensional → Wirkung einzelner Maßnahmen schwer isolierbar.Evaluation z. B. über klinische Scores/PROMs
Welche neurologischen Rehaphasen A–F gibt es?
A: Akutbehandlung
B: Frührehabilitation
C: ADL-Training, noch viel Hilfe
D: weitgehend selbstständig, Funktionstraining
E: berufliche/soziale Reintegration
F: Langzeitversorgung/Statuserhalt.
Was sind Drip & Ship und Mothership?
Was ist besser?
Drip & Ship: nächste Stroke Unit → dort Lyse/Angio → bei Thrombektomie-Indikation Verlegung ins Zentrum.
Mothership: direkt ins Thrombektomie-Zentrum.
Was ist besser?Nicht pauschal: hängt v. a. von Entfernungen und Transportzeiten ab. Nähe zum Zentrum spricht eher für Mothership, lange Wege eher für Drip & Ship.
Nenne und beschreibe evidenzbasierte therapeutische Interventionen der Neurorehabilitation.
Repetitives sensomotorisches Training: häufige Wiederholung gleicher Bewegungen
Laufbandtraining: viele Schrittzyklen durch Gewichtsentlastung
Gating: z. B. Vibration vor Physiotherapie
Taub-Training: gesunden Arm immobilisieren → betroffenen Arm intensiv nutzen.
Was zeigt sich bezüglich der Prognose nach der Frührehabilitation?
Auch initial schwer beeinträchtigte Patienten können sich später noch deutlich verbessern → frühe schlechte Funktion bedeutet nicht automatisch schlechte Langzeitprognose.
Welche Faktoren sprechen gegen eine Rehabilitation nach Schlaganfall?
begrenzte Lebenserwartung
fortgeschrittene Demenz
fehlende Motivation
fehlende psychophysische Belastbarkeit
nicht beeinflussbare Abhängigkeitserkrankung.
Welche „weichen“ Faktoren sind für die Rehabilitation wichtig?
Motivation, Adhärenz, Selbstwirksamkeit, familiale Unterstützung.
Was gehört zum ZNS und was ist seine Funktion?
Gehirn + Rückenmark.Funktion: Integration, Koordination und Regulation von Organfunktionen, Bewegungen und Verhalten.
Was ist die Funktion des Rückenmarks?
Vorderseite: Wie unterscheiden sich Nervenzellen und Gliazellen?
Neurone: funktionelle Grundeinheit, Informationsübertragung.Glia: Stützfunktion, Stofftransport und Beteiligung an Informationsverarbeitung.
Was ist ein MRT und wann nutzt man es?
Bildgebung mittels Magnetfeld + Hochfrequenzimpulsen, ohne Röntgenstrahlung.Besonders zur Darstellung von Nervengewebe/Weichteilen; bei ZNS-Tumoren MRT mit Kontrastmittel = Goldstandard
Was unterscheidet gutartige von bösartigen Tumoren?
Gutartig: langsames Wachstum, kein Eindringen in Nachbargewebe.Bösartig: schnelles, invasives Wachstum + mögliche Metastasen.
Was unterscheidet Primär- und Sekundärtumoren?
Primär: entsteht im Gehirn/Rückenmark selbst.Sekundär: Metastase eines Tumors aus einem anderen Organ.
Definiere Inzidenz und Prävalenz.
Inzidenz: Neuerkrankungen/Jahr pro 100.000.Prävalenz: vorhandene Krankheitsfälle pro 100.000.
Welche Bedeutung haben ZNS-Tumoren bei Erwachsenen und Kindern?
Erwachsene: ca. 2 % aller Tumorerkrankungen.Kinder: zweithäufigste maligne Erkrankung, ca. 24 % der Tumoren.
Was bedeuten Histopathologie, Zellkernatypien und Nekrosen?
Histopathologie: mikroskopische Beurteilung des Tumorgewebes.Zellkernatypien: abnorme Zellkerne als Zeichen veränderter Zellen.Nekrosen: unkontrollierter Zelltod im Tumor.
Wann kann ein Hirntumor sicher bestätigt werden?
Erst durch Gewebeuntersuchung nach Biopsie oder Resektion zur Diagnosesicherung.
Charakterisiere ein Meningeom.
Tumor aus Arachnoidea-Deckzellen; häufigster Hirntumor, Inzidenz 9,7/100.000, häufiger Frauen.Meist gute Prognose; Therapie oft Resektion oder Verlaufskontrolle.
Charakterisiere ein Gliom.
Tumor aus Gliazellen: Astrozyten, Oligodendrozyten oder Ependymzellen.WHO-Grad 1–4, Einteilung nach Phäno- und Genotyp.
Charakterisiere Astrozytome.
Tumoren aus Astrozyten, WHO-Grad 1–4.Grad 1 meist günstig; Grad 4 = Glioblastom, aggressiv, medianes Überleben ca. 17 Monate, 5-Jahres-Überleben 7 %.
Charakterisiere ein Ependymom.
Aus Ependymzellen, v. a. Kinder/junge Erwachsene; 70 % infratentoriell.Therapie: Resektion ± Bestrahlung; 10-Jahres-Überleben 50–75 %.
Charakterisiere ein Medulloblastom.
Embryonaler Tumor v. a. bei Kindern/jungen Erwachsenen, meist Kleinhirn/4. Ventrikel.Therapie: Resektion + Chemo ± Bestrahlung; 10-Jahres-Überleben ca. 50 %.
Charakterisiere ein Hypophysenadenom.
Tumor hormonproduzierender Hypophysenzellen.Mikroadenom <10 mm, Makroadenom >10 mm; Beschwerden durch Sehstörungen oder Hormonveränderungen.
Charakterisiere Hirnmetastasen.
Absiedlungen eines Primärtumors, häufig Lunge, Brust oder Melanom; v. a. >60 Jahre.Rascher Verlauf; medianes Überleben 3–6 Monate.
Was sind funktionelle Körperbeschwerden und was unterscheidet sie von Körperfehlfunktionen?
Anhaltende, belastende Körperbeschwerden ohne ausreichende Erklärung durch eine Körperfehlfunktion.
Werden funktionelle Beschwerden weniger stark wahrgenommen als Beschwerden bei einer Körperfehlfunktion?
Nein. Leid und Beeinträchtigung sind mindestens genauso stark; das Erleben ist für die Betroffenen real, unabhängig von der zugrunde liegenden Pathophysiologie.
Was ist eine somatoforme Störung?
Anhaltend belastende Körperbeschwerden, z. B. Schmerzen, Funktionsstörungen oder Erschöpfung, die nicht ausreichend durch eine Körperfehlfunktion erklärbar sind.
Was ist eine dissoziative Störung?
Teilweiser/völliger Verlust der normalen Integration von Empfindungen oder Bewegungskontrolle → z. B. Lähmung, unwillkürliche Bewegung, Sprech-/Schluck- oder Sinnesstörung; nicht somatisch erklärt.
Was ist eine somatische Belastungsstörung?
Körperliche Symptome + übermäßige anhaltende Gedanken, Sorgen oder Verhaltensweisen bezüglich der Symptome → deutliche Beeinträchtigung.
Was bedeutet der Paradigmenwechsel bei funktionellen Körperbeschwerden?
Weg von der reinen Ausschlussdiagnose („man findet nichts“) → Diagnose anhand von Positivzeichen in der Untersuchung, z. B. Hoover-Zeichen.
Wie lange dauert es durchschnittlich, bis Patienten mit funktionellen Körperbeschwerden evidenzbasiert behandelt werden?
Bis zu 23 Jahre.
Wie sollte die Diagnostik bei funktionellen Körperbeschwerden erfolgen?
sorgfältig befragen und ernst nehmen
abwartendes Offenhalten
körperliche und psychische Störungen gleichzeitig prüfen.
Wie sollten Befund und Diagnose besprochen werden?
klare Rückmeldung
Normalbefunde positiv formulieren
pathologische Befunde erklären
Positivzeichen, Diagnose und Erklärungsmodell benennen.
Wie schafft man gute Bedingungen für die Behandlung?
Indizierte Behandlung von körperlichen Erkrankungen/Funktionsstörungen und psychischen Komorbiditäten.
funktionelle Körperbeschwerden: Wie kann die weitere gestufte Versorgung aussehen?
Brücke in eine adäquate ärztliche + psychotherapeutische Versorgung schaffen und psychosomatisch-psychotherapeutische Therapie planen.
Wie unterscheiden sich Herzinfarkt-Symptome bei Männern und Frauen?
Männer: häufiger typischer Brustschmerz mit Ausstrahlung in linken Arm.Frauen: häufiger unspezifisch: Druck/Enge, Rücken-/Oberbauchschmerz, Übelkeit/Erbrechen, plötzliche Müdigkeit.
Wie unterscheiden sich Herzinfarkt-Trigger bei Männern und Frauen?
Männer: häufiger schwere körperliche Aktivität und Nahrungsaufnahme.
Frauen: häufiger emotionaler Stress.
Was ist eine Tako-Tsubo-Kardiomyopathie?
„Broken-Heart-Syndrom“: herzinfarktähnliche Symptome/EKG, aber kein Gefäßverschluss; katecholaminbedingte Kontraktilitätsstörung des linken Ventrikels.V. a. Frauen 60–75 J.
Was ist Herzfrequenzvariabilität (HFV) und welche Rolle spielt sie?
Fähigkeit, den Abstand zwischen Herzschlägen anzupassen → Marker der Balance des vegetativen Nervensystems.Entspannung → ↑ HFV; Stress/Schlafmangel → ↓ HFV.
Was besagt das biopsychosoziale Modell?
Gesundheit/Krankheit entstehen durch das Zusammenspiel biologischer, psychischer und sozialer Faktoren.
Wie macht erhöhte Stressbelastung das Herz krank?
Chronischer Stress aktiviert dauerhaft die Stresssysteme des Körpers
→ mehr Cortisol und Stresshormone
→ Herz und Kreislauf werden dauerhaft stärker belastet
→ langfristig höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Welche psychosozialen Risikofaktoren gibt es bei KHK?
Chronischer Stress, Depression/Angst/PTBS, Einsamkeit/geringe soziale Unterstützung, Schizophrenie/bipolare Störung, Typ-D/Feindseligkeit, niedriger sozioökonomischer Status.
Welche psychischen Komorbiditäten treten bei KHK auf?
Nach Herzinfarkt: Depressivität >25 %, Major Depression 15–20 %, Angst nach ACS ~30 % (später ~20 %), PTBS ~10 %.
Welche psychischen Komorbiditäten treten bei Herzinsuffizienz auf?
Depressive Störungen 24–42 %, Angstsymptome ~33 %, Angststörungen 15 %, kognitive Defizite 30–80 %; psychische Belastung ↑ mit NYHA-Stadium.
Wie wirksam ist Psychotherapie bei Herzerkrankungen?
KHK: Depression, Angst, Stress ↓; KVT senkt Angina und kardiovaskuläre Ereignisse, in Studien um ca. 50 %.Herzinsuffizienz: KVT/Stressmanagement → Lebensqualität ↑, Angst/Depression ↓.
Was umfasst die multimodale kardiologische Rehabilitationsbehandlung?
Ärztliche/medikamentöse Betreuung + Wissensvermittlung, Bewegung, psychosoziale Angebote, Stressbewältigung, Nichtrauchertraining, Krankheitsbewältigung und sozialmedizinische Beratung.
Warum wird ein Herzinfarkt bei Frauen statistisch später diagnostiziert?
Welches Antidepressivum sollte man bei KHK eher nicht geben?
Was ist die Tako-Tsubo-Kardiomyopathie?
Welche Struktur im Gehirn ist nicht beteiligt an der Stress-Antwort?
Welche Aussage zu Psychotherapie kardiologischer Erkrankungen ist richtig?
Welches Merkmal ist kein Risikofaktor für die Entwicklung einer KHK?
Wie hoch ist die 12-Monats-Prävalenz von Alkoholstörungen im Vergleich zu anderen psychischen Störungen?
Alkoholstörungen: 11,2 % → nach Angststörungen (16,2 %) zweithäufigste Gruppe; Depression 8,2 %.
Welche epidemiologischen Fakten sind zu Alkohol wichtig?
Häufigstes Suchtmittel; 11 l reiner Alkohol/Kopf/Jahr.Ca. 1,7–2,1 Mio. Abhängige in Deutschland; 40.000–74.000 vorzeitige Todesfälle/Jahr, ca. 1.800 Suizide.
Was ist das Manifestationsalter von Alkoholstörungen?
Median ca. 27 Jahre.
Welche Rolle spielte Alkohol während COVID-19?
Alkoholbezogene Patienten hatten besonders wenige Arztkontakte, gleichzeitig stieg die alkoholassoziierte Mortalität deutlich.
Wie hoch sind die volkswirtschaftlichen Kosten durch Alkoholkonsum?
Ca. 57 Mrd. €/Jahr in Deutschland:40,4 Mrd. indirekte + 16,6 Mrd. direkte Kosten.
Was bedeutet 1 Promille Alkohol?
1 ‰ = 1 g Alkohol/kg Blut ≈ 1,06 g/L.
Welche Folgen hat ein leichter Rausch?
0,2–0,8 ‰: Koordinations-/Gangstörung, Enthemmung, Rededrang/Tätigkeitsdrang.
Welche Folgen hat ein mittelschwerer Rausch?
0,8–2 ‰: Euphorie/Aggressivität, ↓ Selbstkritik, explosive Reaktionen.
Welche Folgen hat ein schwerer Rausch?
Ab 2–2,5 ‰: Bewusstseinsstörung bis Koma, Desorientierung, Erregung, Gangunsicherheit, Angst, Nystagmus, Dysarthrie.
Wie entwickelten sich stationär behandelte Alkoholintoxikationen?
2022: 47.501 insgesamt, davon 10.679 bei 12–18-Jährigen.Trend seit ca. 2012/2019: deutlich rückläufig.
Wie wird eine Alkoholintoxikation behandelt?
Leicht/mittel: meist Überwachung, ggf. Flüssigkeit/Elektrolyte.Schwer ab 3,5–4 ‰: intensivmedizinische Überwachung.Aggressivität ggf. Haloperidol; Suizidalität beachten.
Ab welchem Blutalkohol steigt das Todesrisiko stark an?
Ab etwa 3,5–4 ‰ schwere lebensbedrohliche Intoxikation; bei 5 ‰ Letalität >50 %.
Ab wie viel reinem Alkohol spricht man von riskantem Konsum?
Frauen: >20 g/Tag
Männer: >30–40 g/Tag
Welche physischen oder psychischen Gesundheitsschäden kann Alkohol auslösen?
Physisch: z. B. Pankreatitis.Psychisch: z. B. kognitive Störungen, Halluzinose.→ dann schädlicher Gebrauch, sofern noch keine Abhängigkeit besteht.
Wie ist Alkoholabhängigkeit definiert und welche sechs Kriterien gibt es?
Mind. 3 von 6 Kriterien innerhalb von 12 Monaten:
Craving/Zwang
Kontrollverlust
Entzugssyndrom
Toleranzentwicklung
Einengung auf Alkohol
Konsum trotz schädlicher Folgen.
Welchen Sinn hat eine definierte Diagnose der Alkoholabhängigkeit?
Erkrankte sind nicht allein „schuld“; körperliche, psychische und soziale Folgen werden gemeinsam berücksichtigt und entsprechend behandelt.
Welche Behandlungsziele gibt es bei Alkoholabhängigkeit?
Hierarchisch: Überleben sichern → Folge-/Begleiterkrankungen behandeln → Motivation/Krankheitseinsicht → alkoholfreie Phasen → psychosoziale Situation verbessern → dauerhafte Abstinenz → Lebensqualität.Lebenslange Abstinenz = Idealziel; Rückfallquote 40–70 %.
Was ist ein Delir und welche Symptome können auftreten?
Akuter, fluktuierender Verwirrtheitszustand mit Störungen von Bewusstsein/Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Denken, Gedächtnis und Schlaf-Wach-Rhythmus.Typisch: Desorientierung, kognitive Störungen, Halluzinationen, affektive/psychomotorische Veränderungen.
Welche fünf Axiome der Kommunikation gibt es nach Watzlawick?
Man kann nicht nicht kommunizieren.
Kommunikation hat Inhalts- und Beziehungsaspekt.
Beziehung hängt von der Interpunktion der Kommunikation ab.
Kommunikation ist digital und analog.
Beziehungen sind symmetrisch oder komplementär.
Welche vier Ebenen hat das Vier-Ohren-Modell? Welche steht bei Autismus eher im Vordergrund?
Sachebene, Selbstkundgabe, Beziehung, Appell.Bei Autismus eher Sachebene / wörtlicher Inhalt, während Subtext und implizite Botschaften schwieriger sein können.
Warum betrachtet die VL Autismus als Kommunikationsstörung?
Kommunikation braucht gegenseitige Interpretation, Feedback und gemeinsamen Kontext („Common Ground“). Genau diese soziale Abstimmung kann bei Autismus erschwert sein.
Was ist bei der Kommunikation von Menschen mit Autismus besonders?
Nicht einfach „zu wenig Kommunikation“, sondern eine andere Kommunikationsweise: besonders Schwierigkeiten mit Subtext, Perspektivwechsel, nonverbaler Kommunikation und sozialer Abstimmung.
Was sind die zwei zentralen Bereiche der Autismus-Spektrum-Störung?
Soziale Interaktions-/Kommunikationsstörungen
Repetitive/eingeschränkte Verhaltensweisen und Interessen
frühe Manifestation und relevante Beeinträchtigung.
Warum kann die Diagnose von Autismus schwierig sein?
Kriterien sind teils vieldeutig, außerdem Masking/Kompensation, lange Wartezeiten und stereotype Vorstellungen aus Medien/Internet.
Was ist das grundsätzliche Ziel der Psychotherapie bei Autismus?
Nicht „Autismus beseitigen“, sondern Verhaltensrepertoire erweitern und Lebenszufriedenheit ermöglichen – unter Respekt vor Persönlichkeit, Stärken und Anderssein.
Welche besondere Rolle hat der Therapeut bei Menschen mit Autismus?
Er fungiert als „Übersetzer zwischen Kommunikationsweisen“ und als Experte für neurotypische Kommunikation.
Welche Bereiche können bei Autismus therapeutisch unterstützt werden?
Z. B. Selbstakzeptanz, Stressmanagement, Emotionen, Perspektivwechsel, Smalltalk, Blickkontakt, verbale/nonverbale Kommunikation und Konflikte.
Was brauchen Menschen mit Autismus für eine gute Versorgung?
ASS-spezifisches Wissen, gute Kommunikation, zugängliche Angebote, Vernetzung, Assistenz und Einbezug von Betroffenen/Umfeld. Versorgung soll möglichst barrierefrei und multimodal sein.
Welche Bereiche können bei einer Demenz beeinträchtigt sein?
Gedächtnis
Orientierung
Aufmerksamkeit
Sprache
Verhalten
zunehmend Alltagskompetenz und Selbstständigkeit
Wie lange müssen die Symptome mindestens bestehen, um von einer Demenz zu sprechen?
Mindestens 6 Monate.
Wie viele Menschen sind in Deutschland von Demenz betroffen?
ca. 1,8 Mio. Erkrankte
ca. 450.000 Neuerkrankungen/Jahr
Erkrankungshäufigkeit steigt stark mit dem Alter
Wie verteilen sich die wichtigsten Demenzformen?
Alzheimer-Demenz: 55 %
vaskuläre Demenz: 15 %
Mischform Alzheimer + vaskulär: 15 %
frontotemporale Demenz: 5 %
andere neurologische Erkrankungen: 5 %
reversible Demenzen: 5 %
Welche biologischen Veränderungen sind typisch für die Alzheimer-Krankheit?
Ablagerung von Amyloid-Plaques
Veränderungen/Ablagerungen von Tau
dadurch zunehmende Neurodegeneration
Warum ist Früherkennung bei Alzheimer heute so wichtig?
Erkrankung entwickelt sich über viele Jahre bis Jahrzehnte
biologische Veränderungen beginnen lange vor der Demenz
daher werden Prä-Demenz-Stadien und Früherkennung immer wichtiger
Wie kann eine Alzheimer-Krankheit heute diagnostisch abgeklärt werden?
Neuropsychologische Tests
MRT → Hirnatrophie/strukturelle Veränderungen
Amyloid-/Glukose-PET
Liquor → Amyloid ↓, Tau/pTau ↑
Histopathologische Untersuchung ist heute keine Routinediagnostik am lebenden Patienten
Welcher klinische Kurztest wird häufig zur Demenzdiagnostik eingesetzt?
Mini-Mental-Status-Test (MMST)→ prüft u. a. Orientierung, Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Sprache.
Welche Risikofaktoren gibt es für die Alzheimer-Krankheit?
genetische Faktoren, v. a. ApoE-ε4
kardiovaskuläres Risikoprofil
Diabetes
Hypercholesterinämie
Bluthochdruck
Schädel-Hirn-Trauma
teilweise weitere genetische Faktoren
Was ist eine Subjective Cognitive Decline (SCD)?
subjektiv wahrgenommene kognitive Verschlechterung
kognitive Tests noch unauffällig
Alltagsfunktionen unbeeinträchtigt
Prä-Demenz-Stadium/Forschungskonstrukt, keine klassische Demenzdiagnose
Die Beschwerden dürfen nicht einfach besser durch z. B. Depression oder Substanzkonsum erklärt werden.
Was unterscheidet SCD und MCI?
SCD: Beschwerden subjektiv, Tests noch normal.
MCI: Beeinträchtigung bereits objektiv in Tests nachweisbar, Alltag aber noch selbstständig.
Warum ist Demenzprävention so bedeutsam?
Ein großer Teil des Risikos ist beeinflussbar
Risikofaktoren früh behandeln → Erkrankung kann verhindert oder zeitlich hinausgeschoben werden
Prävention ist daher gesundheitspolitisch/ökonomisch besonders relevant
Was ist das Neue an der Anti-Amyloid-Therapie bei Alzheimer?
z. B. Lecanemab (Leqembi)
Antikörper richtet sich gegen Amyloid im Gehirn
setzt damit direkt an der Alzheimer-Pathologie an
mögliche schwerwiegende Nebenwirkung: Hirnblutungen/-veränderungen
deshalb nur für einen Teil der Patienten geeignet
Welche Ziele hat die Therapie der Alzheimer-Krankheit?
kognitive Leistung stabilisieren/verbessern
Alltagskompetenzen erhalten
psychische Begleitsymptome reduzieren
Lebensqualität erhalten
Was ist eine vaskuläre Demenz?
Demenz aufgrund von Durchblutungsstörungen des Gehirns.
Typisch:
Zusammenhang zwischen vaskulärem Ereignis und kognitiver Störung
z. B. nach Infarkten oder durch Mikroangiopathie
Was ist charakteristisch für die frontotemporale Demenz?
Je nach Variante stehen früh im Vordergrund:
Sprache: Sprachverarmung, Sprachverständnisstörungen
Verhalten/Persönlichkeit: Enthemmung, Apathie, Stereotypien, Persönlichkeitsveränderung
eher selten und besonders schwierig auch für die Angehörigen; klassische Gedächtnistests können anfangs vergleichsweise unauffällig sein.
Was ist charakteristisch für eine Lewykörperchen-Demenz?
Demenz + Parkinsonsymptomatik innerhalb eines Jahres
zusätzlich möglich:
visuelle Halluzinationen
REM-Schlafstörungen
besonders empfindlich gegenüber Nebenwirkungen von Neuroleptika
Wie wirksam sind Medikamente bei Demenz?
Nur begrenzt wirksam.
→ Deshalb haben nicht-medikamentöse Maßnahmen einen hohen Stellenwert.
Warum muss man bei Alzheimer biologische und klinische Veränderungen unterscheiden?
Biologische Veränderungen (Amyloid, Tau, Neurodegeneration) beginnen lange vorher
klinische Symptome treten erst später auf
man kann also bereits Alzheimer-Pathologie haben, bevor eine Demenz klinisch sichtbar wird
Welche besondere Rolle spielen Biomarker bei der Alzheimer-Diagnostik im Vergleich zu anderen Demenzformen?
Alzheimer: spezifische Biomarker für Amyloid und Tau verfügbar.
Andere Formen wie:
vaskuläre Demenz
frontotemporale Demenz
Lewykörperchen-Demenz
werden stärker anhand von Klinik und Bildgebung eingeordnet; vergleichbare Alzheimer-Biomarker gibt es dort nicht.
Welche Rolle spielen nicht-medikamentöse Maßnahmen bei Demenz?
Sehr wichtig, da Medikamente nur begrenzt wirken:
Angehörigenarbeit
kognitives Training
Ergotherapie/Alltagstraining
körperliche Aktivität
gute Umgebungsgestaltung und Kommunikation
Was ist der zentrale Wandel im Verständnis der Alzheimer-Krankheit?
Von „Demenz wird diagnostiziert, wenn deutliche Symptome da sind“ hin zu:
biologische Veränderungen → Prä-Demenz-Stadien → klinische Demenz
→ Dadurch gewinnen Früherkennung, Biomarker, Prävention und frühe Therapie an Bedeutung.
Die leichte kognitive Störung..
Berichten Hochleistungssportler:innen häufiger über depressive Symptome als Nicht-Sportler:innen?
Nein.
Welche psychischen Veränderungen können nach dem Karriereende auftreten?
↑ Depression/Angst
↑ Alkoholkonsum
Weshalb kommt es zum Übertraining?
Unzureichende Regeneration → Leistungsfähigkeit sinkt.
Wie viele Leistungssportlerinnen erfüllen Kriterien für Anorexie/Bulimie und in welchen Sportarten besonders häufig?
Ca. 20 %, besonders in ästhetischen Sportarten.
In welchem Bereich des Profisports gibt es laut VL die meisten Suizide?
American Football.
Grenze Anorexia nervosa und Anorexia athletica voneinander ab.
Anorexia nervosa: Gewichtsabnahme als eigenständige psychische Störung, gestörtes Körperbild.
Anorexia athletica: Gewichtsreduktion gezielt für sportliche Leistung; abhängig von Trainingsphase und grundsätzlich steuerbar.
Welche drei Bereiche bilden die Athletinnen-Trias?
Essstörung
Amenorrhoe
Osteoporose
Wie hoch ist die Prävalenz des Alkoholmissbrauchs bei Spitzensportler:innen?
Ca. 20 %.
Was sind Kriterien der Sportsucht?
Zwanghaft Sport treiben trotz:
körperlicher Beschwerden
Überschreitung körperlicher Grenzen
sozialer Probleme
Was unterscheidet primäre und sekundäre Sportsucht?
Primär: eigenständige Störung.
Sekundär: Folge/Begleiterscheinung anderer psychischer Erkrankungen, z. B. Essstörung.
Wie hoch war die vereinbarte NFL-Kompensation wegen Folgen wiederholter Gehirnerschütterungen?
Bis zu 5 Mio. $ pro Spieler.
Welche vier Phasen hat die chronische traumatische Enzephalopathie?
leichte Gedächtnis-/Aufmerksamkeitsprobleme, depressive Stimmung
Stimmungsausbrüche, Verhaltensauffälligkeiten, schwere Depression
deutliche kognitive Probleme, Apathie
Demenz, motorische Defizite, Sprach-/psychotische Symptome, Verlust der Selbstständigkeit
Warum ist sportpsychiatrische Frühdiagnostik häufig erschwert?
psychische Probleme zeigen sich oft zuerst körperlich
keine routinemäßigen psychiatrischen Untersuchungen
Gesundheitsfürsorge oft unzureichend
Welche vier Aspekte müssen bei sportpsychiatrischer Behandlung berücksichtigt werden?
Verhaltenstherapie als Methode der Wahl
Medikamentennebenwirkungen auf Leistungsfähigkeit beachten
Dopingbestimmungen beachten
geeignete Behandlungsbedingungen schaffen
Warum spielen psychosoziale Aspekte in der Transplantationsmedizin eine wichtige Rolle?
hohe psychische Belastung vor und nach Transplantation
Einfluss auf Lebensqualität und Behandlungserfolg
psychosoziale Betreuung ist deshalb Teil der Versorgung
Was ist das zentrale Versorgungsproblem der Transplantationsmedizin?
Mangel an Spenderorganen → Auswahl und Dringlichkeit müssen möglichst fair und standardisiert beurteilt werden.
Warum ist eine Nierentransplantation gegenüber dauerhafter Dialyse häufig vorteilhaft?
Dialyse bedeutet:
höhere Morbidität/Mortalität
hohe Kosten
geringere Lebensqualität
Was ist bei der Lebendspende besonders zu beachten?
v. a. Niere/Leber
Spender ist selbst gesund → besonderer Schutz nötig
Entscheidung muss freiwillig sein
psychosoziale Risiken mitbeurteilen
Was unterscheidet Adhärenz und Compliance?
Compliance: Verantwortung eher beim Patienten.
Adhärenz: gemeinsame Verantwortung von Patient und Behandlungsteam.
Warum ist Adhärenz nach einer Transplantation entscheidend?
Immunsuppressiva und Nachsorge müssen konsequent eingehalten werden; Non-Adhärenz gefährdet das Transplantat.
Welche Faktoren begünstigen Non-Adhärenz?
Depression/Angst
negative Einstellungen und Erwartungen
jüngeres Alter
längere Zeit seit Transplantation
Was wird psychosozial vor einer Transplantation beurteilt?
psychische Stabilität
Adhärenz/Verlässlichkeit
Substanzkonsum
Motivation
Erwartungen/Wissen
soziale Situation
Ist eine psychische Störung grundsätzlich eine Kontraindikation für eine Transplantation?
Nein.Sie soll erkannt und behandelt werden; Ziel ist Vorbereitung, nicht pauschaler Ausschluss.
Welche psychischen Belastungen können nach einer Transplantation auftreten?
Angst/Depression
PTBS
Probleme mit Akzeptanz des fremden Organs
Probleme bei Wiedereingliederung und Lebensführung
Was ist die Aufgabe psychosomatischer Versorgung in der Transplantationsmedizin?
Psychische Probleme früh erkennen, begleiten und in die Gesamtbehandlung integrieren.
Was ist der zentrale Gedanke der psychosozialen Transplantationsmedizin?
Eine erfolgreiche Transplantation hängt nicht nur vom Organ ab, sondern auch davon, ob Patient:innen informiert, psychisch vorbereitet und langfristig adhärent sind.
Wie ist die Adhärenz bzgl. körperlicher Aktivität bei Herztransplantationen?
Bei Herztransplantationen ist die Adhärenz bzgl. körperlicher Aktivität am geringsten im Vergleich zu den anderen Organen.
Bei welchen Transplantationen steht die Nonadhärenz bzgl Durchfürung der Heimspirometrie im Vordergrund?
Lungentransplantation.
Was sagt das TPG über Veraantwortlichkeiten für psychosoziale Maßnahmen?
Die Transplantationszentren sind verpflichtet, vor und nach einer Organübertragung Maßnahmen für eine erforderlicher psychische Betreuung der Patienten im Krankenhaus sicherzustellen.
Weshalb werden psychosoziale Maßnahmen nach Organtransplantation dringend benötigt?
Zahlreiche Gründe für den Bedarf an psychosozialen Maßnahmen, u.a. eine hohe psychische Belastung der Pat. beschrieben.
Prätransplantäre psychische Störungen:
Depressive Störungen zwischen 24 und 50 % (Herz), 23-60 % (Leber), 12- 25% (Lunge).
Angststörungen: Lungentransplantationspat. mit 40-58 % belasteter als die beiden anderen Gruppen (Herz 8- 16 %, Leber 14-20 %).
Vorliegen von depressiven Symptomen geht mit einer erhöhten Mortalität nach Transplantation einher.
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