Recap VL3: Welche drei Haupteinflussfaktoren bestimmen die Preissetzung von Unternehmen?
Haupteinflussfaktoren Preissetzung von Unternehmen
Kundenbeurteilung des Produktwerts, Images, der Qualität
Wettbewerberpreise
Unternehmenskosten
Recap VL3: Nenne die Indikatoren/Treiber für die Preiswahrnehmung von Konsumenten
Indikatoren/Treiber für die Preiswahrnehmung von Konsumenten
Typical Price (üblicherweise gezahlter Preis)
Last Price Paid
Fair Price (gefühlt angemessener Preis)
Upper-Bound Price (Reservationspreis/Maximalpreis)
Lower-Bound Price (Minimalpreis)
Historical Competitor Prices
Expected Future Price
Usual Discounted Price
Preiseffizienz im Internet: Annahme, Kernfrage und Hypothese
Annahme: Internet ermöglicht kosteneffizientere Preissuche durch höhere Markttransparenz.
Kernfrage: Haben E-Commerce-Anbieter weniger Preissetzungsfreiheit?
Hypothese: Law of one price: E-Commerce-Anbieter sind aufgrund höherer Markttransparenz gezwungen, überall den gleichen (wettbewerbsfähigen) Preis zu verlangen.
Law of one price
->Widerlegt durch Brynjolfsson & Smith (2000): signifikante Preisunterschiede zwischen Online-Händlern bleiben bestehen.
Überblick Pricing-Methoden
Definition: Willingness-to-Pay (WTP)
XWillingness-to-Pay (WTP)
Der maximale Preis, den ein Konsument für ein Produkt oder eine Dienstleistung zu zahlen bereit ist.
Je höher die WTP, desto höher die Präferenz für das Produkt.
Die Kenntnis der (individuellen) WTP ist für Unternehmen entscheidend für optimale Preisentscheidungen.
Definition & Formel: Consumer Rent (CR)
XConsumer Rent (CR)
CR = WTP − Preis
Die Differenz zwischen der WTP eines Konsumenten und dem vom Unternehmen gesetzten Preis (entspricht der 'Ersparnis' des Konsumenten).
Zwei Grundannahmen für rationale Konsumentscheidungen
Two Basic Assumptions for Human Decision-Making
Individual Rationality (CR ≥ 0):
Konsumenten kaufen nur, wenn ihre WTP ≥ Preis ist.
Incentive Compatibility (CR = max(CR_A, CR_B, ...)):
Unter funktional gleichwertigen Alternativen wählen Konsumenten jene, die ihren Consumer Rent maximiert (i.d.R. die günstigste).
Beispiele:
Scenario A: Ja, Alex kauft, da CR = 1500€ − 1400€ = 100€ ≥ 0 (Individual Rationality erfüllt).
Scenario B: Alex kauft nichts, da seine WTP unter beiden Preisen liegt → CR wäre in beiden Fällen negativ (Individual Rationality verletzt).
Scenario C: Alex kauft Angebot B, da CR_B (300€) > CR_A (100€) → Incentive Compatibility: Alex wählt die Alternative mit dem höchsten Consumer Rent.
Definition: Price Differentiation (Preisdifferenzierung)
XPrice Differentiation
Strategie, bei der dasselbe Produkt zu unterschiedlichen Preisen verkauft wird, um den Umsatz zu maximieren.
Ziel der Preisdifferenzierung
XZiel der Preisdifferenzierung
Abschöpfung (Skimming) der Consumer Rent, sodass im Idealfall jeder Kunde genau seinen individuellen Maximalpreis (prohibitiver Preis, entsprechend seiner WTP) zahlt.
Zahlenbeispiel Preisdifferenzierung: vergleiche die 3 Preisstrategien
Kunde A WTP=200€
Kunde B WTP=100€
Einheitspreis p=200€: nur A kauft → Umsatz = 200€
Einheitspreis p=100€: A und B kaufen → Umsatz = 200€
Preisdifferenzierung p_A=200€, p_B=100€: beide kaufen zum jeweiligen Preis → Umsatz = 300€ (beste Option)
Nenne die 3 Typen der Preisdifferenzierung (klassische Sicht)
XTypen der Preisdifferenzierung
Preisdifferenzierung 1. Grades (perfekte Preisdifferenzierung)
Preisdifferenzierung 2. Grades (Self-Selection)
Preisdifferenzierung 3. Grades (gruppenspezifische Preise)
Preisdifferenzierung 3. Grades
X Preisdifferenzierung 3. Grades (gruppenspezifische Preise)
Unterschiedlichen Kundengruppen werden Preis-Leistungs-Kombinationen abhängig von ihrer Gruppenzugehörigkeit angeboten.
Vorraussetzung: Verifikation der Gruppenzugehörigkeit - sonst könnte jeder den günstigsten Tarif wählen und die Preisdiskriminierung würde zusammenbrechen.
Studenten Rabatt
Senioren Rabatt
Preisdifferenzierung 2. Grades
XPreisdifferenzierung 2. Grades (Self-Selection)
Dem Kunden werden verschiedene Preis-Leistungs-Kombinationen (Produktversionen) zur Auswahl angeboten. Die Preisunterschiede sind typischerweise größer als die tatsächlichen Kostenunterschiede zwischen den Varianten.
Software-Stufen (Spotify Free vs. Premium)
Flugklassen (Economy/Business/First)
Preisdifferenzierung 1. Grades
XPreisdifferenzierung 1. Grades (perfekte Preisdifferenzierung)
Jedem Kunden wird ein individueller, seiner WTP entsprechender Preis angeboten. Das Unternehmen kann den maximal möglichen Preis für jede verkaufte Einheit verlangen und schöpft die gesamte verfügbare Consumer Rent ab
B2B-Vertragsverhandlungen
eBay-Auktionen
Autohändler-Verhandlungen
Organisatorische Voraussetzungen für Preisdifferenzierung 3. Grades
XOrganisatorische Voraussetzungen für Preisdifferenzierung 3. Grades
Bestimmung der Gruppenzugehörigkeit
Verhinderung von 'Arbitrage' (z.B. technische oder rechtliche Schutzmechanismen)
Organisatorische Voraussetzungen für Preisdifferenzierung 2. Grades
XOrganisatorische Voraussetzungen für Preisdifferenzierung 2. Grades
Design und Angebot verschiedener Produktversionen (z.B. Entscheidung, wie groß die 'Feature-Lücke' zwischen den Versionen sein soll).
Organisatorische Voraussetzungen für Preisdifferenzierung 1. Grades
XOrganisatorische Voraussetzungen für Preisdifferenzierung 1. Grades
Bestimmung der individuellen WTP (z.B. Umfragen, Preisauktionen)
Ausschöpfung der individuellen WTP (z.B. dynamische Pricing-Fähigkeiten von ERP-Systemen)
Definition: Product Bundling
XProduct Bundling
Verkauf unabhängiger oder komplementärer Produkte in einem Paket zu einem Gesamtpreis.
Bundling ist eine Form der Preisdifferenzierung - nutzt dieselbe ökonomische Logik (Abschöpfung heterogener WTP), jedoch über ein anderes Gestaltungsinstrument: nicht über differenzierte Einzelpreise, sondern über ein geschicktes Produktbundling.
Zweck und typische Beispiele: Product Bundling
Product Bundling
Zweck: Abschöpfung der Konsumenten-WTP und Umsatzmaximierung
Mobiltelefon + Vertrag
Gaming-Hardware + Spiel
gebündelte Softwarepakete
Nenne die 3 Bundling-Typen
X Bundling-Typen
Pure Unbundling: Produkte werden nur einzeln verkauft
Pure Bundling: Produkte werden nur im Bundle verkauft
Mixed Bundling: Käufer können zwischen Einzelprodukten oder Bundle wählen
Mixed Leader Bundling: Preis eines der beiden Produkte wird reduziert, wenn das andere zum regulären Preis gekauft wird
Mixed Joint Bundling: ein einziger Preis für das Bündel wird festgelegt, wenn beide Produkte gemeinsam gekauft werden
Klassische Bundling-Strategie: Tie-in Sale
Tie-in Sale
Ältestes Konzept des Preis-Bundlings: ein dauerhaftes Produkt (tying good) wird mit komplementären Produkten (tied goods) kombiniert; der Käufer muss das Gesamtangebot kaufen, um das tying good nutzen zu können.
tying good
tied goods
Beispiele nennen: Drucker und Patronen, Rasierer und Klingen, Computer und Betriebssystem.
Klassische Bundling-Strategie: Block Booking
Block Booking
Verkaufsvereinbarung, bei der ein Filmproduzent seine Filme nur zusammen mit anderen Filmen verkaufte - die Popularität eines erfolgreichen Films wird genutzt, um den Absatz eines weniger erfolgreichen Films zu steigern ('cross-subsidization', Erhöhung des wahrgenommenen Werts von Nischenprodukten).
CORE ECONOMIC LOGIC BEHIND BUNDLING
XCORE ECONOMIC LOGIC BEHIND BUNDLING
Zwei Konsumenten haben unterschiedliche WTP für zwei Produkte. Bei Einzelverkauf gibt es keinen Preis, der beide gewinnbringend abschöpft: Ein hoher Preis verliert einen Kunden, ein niedriger Preis verschenkt Umsatz beim anderen. Im Bündel zahlen beide ihre volle WTP-Summe
→ Gesamtumsatz wird maximiert.
Beispiel:
Gründe für Product Bundling im Offline-Handel (Bricks-and-Mortar)
XGründe für Product Bundling im Offline-Handel
Kostensicht:
Hohe Kosten (Produktion, Marketing, Distribution) für den Verkauf einzelner Produktbestandteile → oft wirtschaftlich nicht sinnvoll (Beispiel: einzelne Zeitungsartikel).
Umsatzsicht:
Bestimmung der WTP für einzelne physische Güter ist oft schwierig bis unmöglich (1. Grad PD meist unrealistisch) Bundling ist ein Weg, die aggregierte WTP über mehrere (unabhängige/komplementäre) Produkte abzuschöpfen, um den Umsatz zu maximieren.
Gründe für Product (Un-)Bundling im E-Commerce
XGründe für Product (Un-)Bundling im E-Commerce
Einzelverkauf (z.B. einzelne Songs, Artikel) ist im E-Commerce viel kosteneffizienter
Es ist ebenfalls kosteneffizienter, Konsumenten eigene, individuelle Produktbündel zusammenstellen zu lassen (Mass Customization)
Bundling führt im E-Commerce trotzdem weiterhin zu niedrigeren Produktions-, Marketing- und Distributionskosten
Bestimmung der individuellen Konsumenten-WTP ist einfacher, aber weiterhin schwierig. Bundling bleibt ein ökonomisch vorteilhafter Weg zur Umsatzmaximierung.
X Lernziele
Erkläre Preisdifferenzierung, Zahlungsbereitschaft (Willingness to Pay, WTP) und Konsumentenrente (Consumer Rent, CR)
Erkläre das Ziel von Preisdifferenzierung
Nenne und erkläre die 3 verschiedenen Arten der Preisdifferenzierung
Gib reale Beispiele
Erkläre die organisatorischen Voraussetzungen für deren Umsetzung
Erkläre Produktbündelung (Product Bundling)
Gib Beispiele für verschiedene Arten von Bündeln
Erkläre warum Produktbündelung wirtschaftlich sinnvoll ist
Warum und wie unterscheiden sich Bündelungsstrategien zwischen der Offline-Welt und dem E-Commerce
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