Was versteht Luhmann unter „Unterwachung“?
die Einflussnahme von Untergebenen auf ihre Vorgesetzten.
Untergebene können die Beziehung zum Vorgesetzten gezielt nutzen, um eigene Pläne und Absichten durchzusetzen.
Merksatz: Unterwachung = den Vorgesetzten von unten lenken.
Was meint “der Vorgesetzte kann eine Doppelfunktion erfüllen”? Welche zwei Funktionen hat er dann?
Der Vorgesetzte kann dabei für den Untergebenen eine Doppelfunktion erfüllen:
Verstärker: Seine Möglichkeiten und seine Position können für eigene Anliegen genutzt werden.
Stoßdämpfer: Er kann Belastungen und Probleme gegenüber anderen Stellen abfangen.
→ Der Vorgesetzte ist damit nicht nur Führender, sondern kann selbst zum Adressaten von Einflussnahme werden.
Worauf beruht nach Luhmann die Macht des Untergebenen über den Vorgesetzten?
Vorgesetzte besitzen nur begrenzte Zeit, Aufmerksamkeit und Entscheidungskapazität. Nach oben entstehen deshalb Engpässe.
Der Vorgesetzte benötigt daher Entscheidungshilfen und Vorsortierung durch seine Untergebenen.
Untergebene können:
Probleme vorsortieren,
Entscheidungen vorbereiten,
den Vorgesetzten dadurch entlasten.
→ Die Abhängigkeit des Vorgesetzten von diesen Leistungen schafft eine Machtquelle für Untergebene.
Merkkette: Begrenzte Entscheidungskapazität → Vorsortierung nötig → Abhängigkeit vom Untergebenen → Macht von unten
Welche Bedeutung hat Kooperation für „Unterwachung“?
Luhmann vertritt die zunächst überraschende These:
Macht kann effektiv vor allem in Form von Kooperation und nicht in Form offenen Konflikts ausgeübt werden.
Offene Konflikte zwischen Vorgesetzten und Untergebenen können die Machtbeziehung beschädigen.
Vertrauensvolle Kooperation kann dagegen die Machtmöglichkeiten beider Seiten steigern.
→ Führung von unten bedeutet also nicht zwangsläufig Widerstand gegen den Chef. Sie kann gerade durch Kooperation und Unterstützung erfolgen.
Merksatz: Den Chef beeinflussen ≠ gegen den Chef arbeiten.
Welche Bedeutung hat die Eigenständigkeit bzw. Autonomie der Situation für Unterwachung?
Auch in stark formalisierten und hierarchischen Organisationen können Regeln das konkrete Verhalten nicht vollständig festlegen.
Einzelne Situationen besitzen eine gewisse Autonomie bzw. Eigenständigkeit.
Deshalb müssen Organisationsmitglieder in konkreten Situationen unterschiedliche Anforderungen berücksichtigen und zwischen ihnen „lavieren“, statt sich ausschließlich am formalen Programm der Organisation zu orientieren.
→ Möglichkeiten der Unterwachung sind daher situationsabhängig.
Merksatz: Formale Regeln bestimmen die konkrete Situation nicht vollständig → Einflussmöglichkeiten entstehen situativ.
Worauf zielt Unterwachung letztlich ab: auf die Person des Vorgesetzten oder auf Entscheidungen?
Unterwachung bedeutet nicht primär, eine konkrete Person in ihrer Rolle als Vorgesetzter zu manipulieren.
Im Zentrum steht vielmehr:
die Beeinflussung von Entscheidungsprozessen mittels Unterwachung.
Der Fokus liegt also auf der Frage, wie Untergebene dazu beitragen können, Entscheidungsprozesse zu beeinflussen bzw. gute Entscheidungen hervorzubringen.
Merksatz: Unterwachung = nicht primär den Chef beeinflussen, sondern Entscheidungsprozesse von unten beeinflussen.
Welche drei Schritte nennt die Präsentation für die Praxis der Unterwachung?
1. Eigene Machtquellen kennen → Welche Ressourcen und Einflussmöglichkeiten besitze ich?
2. Situation lesen → Welche konkrete Situation liegt vor und welche Einflussnahme ist hier möglich bzw. sinnvoll?
3. Unterwachungs-Taktiken kennen und auswählen → Eine zur Situation passende Form der Einflussnahme einsetzen.
Merksatz: Machtquellen kennen → Situation lesen → passende Taktik wählen.
Was sind die fünf zentralen Aspekte der Unterwachung?
Kontext: Hierarchische Organisation
Fokus des Unterwachungs-Konzepts: (Gute) Entscheidungen treffen
Funktionales Problem: Aufmerksamkeits- & Zeitknappheit von Vorgesetzten
Systemcharakter: Unterschiedliche Machquellen “oben” und “unten”
Schwierigkeit: Situationsabhängigkeit des Kontakts mit Vorgesetzten
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