Was macht ein Vorhaben zum Projekt (DIN 69901 / GPM)?
Kern: Die Bedingungen sind in ihrer Gesamtheit einmalig.
Dazu zählen:
- Zielvorgabe
- Begrenzung von Zeit, Geld, Personal
- projektspezifische Organisation
GPM ergänzt: befristet, interdisziplinär, organisiert
Welche Merkmale haben Projekte (Duttlinger)?
- Einmaligkeit, Neuartigkeit
- Vorgabe von Zielen
- definierter Start und Ende
- begrenzte Ressourcen
- Komplexität, Interdisziplinarität
Ergänzend: Abgrenzung, Ergebnisverantwortung, Risiken
Woher stammt der Begriff „Projekt“?
Lat. projectum = „das nach vorne Geworfene“
Wie unterscheidet sich Projekt- von Linienorganisation?
Linie / Projekt:
Einmaligkeit: wiederkehrend / einmalig
Dauer: unbegrenzt / begrenzt
Komplexität: niedrig / hoch
Umfang: vordefinierte / auszulotende Grenzen
Unsicherheit: bekannt, sicher / unbekannt
Nach welchen Dimensionen klassifiziert die GPM Projekte?
- Auftraggeber
- Business Value
- Inhalt
- relative Neuartigkeit
- Komplexität
- Organisation
- Steuerung
- Geografie
- Größe
- Projektrolle
Wichtig, weil die Art Qualifikation, Prozesse und Berichtswege prägt
Welche grundlegenden Projektarten gibt es nach dem Projektinhalt?
- Investitionsprojekt
- Forschungs- und Entwicklungsprojekt
- Organisationsprojekt
Welche Projektarten gibt es nach relativer Neuartigkeit?
Leitfrage: Wie bekannt sind Zweck/Anwendung und Mittel/Technologien?
- Innovationsprojekt
- Fachprojekt
- Routine-/Wiederholprojekt
Welche Projektarten gibt es nach Projektorganisation?
Leitfrage: Welche Befugnisse hat die Projektleitung?
- Einflussprojekt
- Matrixprojekt
- Autonomes Projekt
(Befugnisse steigen in dieser Reihenfolge)
Welche weiteren Projektarten unterscheidet die GPM?
Auftraggeber: extern / intern
Business Value: strategisch / taktisch
Steuerung: technokratisch / agil
Geografie: national / international
Größe: klein / mittel / groß
Rolle: Auftraggeber- / Auftragnehmerprojekt
Typische Beispiele für Projekte?
- Produktentwicklung
- Produkteinführung
- Bau eines Bauwerks / einer Anlage
- Softwareentwicklung / -einführung
- Unternehmensgründung
- Reorganisation eines Unternehmens
Was sind die Aufgaben des Managements nach Peter Drucker?
- Ziele der Organisation festlegen
- Strategie zur Zielerreichung entwickeln
- Produktionsfaktoren organisieren und koordinieren, Mitarbeitende führen
Was umfasst Projektmanagement laut DIN 69901-5?
Alle Führungsaufgaben, -organisation, -techniken und -mittel
über den gesamten Ablauf:
Initialisierung, Definition, Planung, Steuerung, Abschluss
Wie versteht die GPM Projektmanagement?
Methoden, Tools, Techniken und Kompetenzen anwenden, um Projektziele zu erreichen
Umsetzung über Prozesse
Integriert die Phasen des Projektlebenszyklus
Wann gilt ein Projekt als erfolgreich (Projekterfolg)?
Zwei Seiten:
- Leistung in geforderter Qualität und Quantität, im Kosten- und Terminrahmen (inkl. genehmigter Nachträge)
- Stakeholder sind zufrieden und bewerten das Projekt positiv
Projekterfolg vs. Projektmanagementerfolg: Unterschied?
Projekterfolg: Ergebnis eines Projekts stimmt
PM-Erfolg: PM-Methoden werden effektiv und effizient eingesetzt
Bezug: wirtschaftlicher Erfolg, Stakeholder, auch Programme, Portfolios und Organisation
Was besagt das magische Dreieck (Zieldreieck)?
Drei Zieldimensionen:
- Leistung (Ergebnis)
- Termine (Zeit)
- Kosten (Aufwand)
Sie hängen voneinander ab: Ändert man eine, wirkt das i. d. R. auf die anderen.
Erfolgsfaktor vs. Erfolgskriterium?
Faktor: Einflussgröße, die den Erfolg beeinflusst (Ursache)
Kriterium: Maßstab, an dem der Erfolg gemessen wird (Bewertung)
Erfolgsfaktoren in Projekten (Projektleitung)?
- klare, erreichbare Ziele
- Ziele quantifizieren
- Ziele kommunizieren und dokumentieren
- Win-Win der wesentlichen Beteiligten
- Betroffene zu Beteiligten machen
- organisierte Teamführung
Misserfolgsfaktoren in Projekten (Projektleitung)?
- Ziele unklar
- Ziele zu anspruchsvoll
- Ziele oft geändert, nicht kommuniziert
- Experten abgehoben, unpragmatisch, kritikresistent
- Teambildung nicht unterstützt
- Teamkonflikte ignoriert
Was sollen PM-Standards leisten, wo liegen ihre Grenzen?
Ziel: Projekterfolg verbessern
Grenze: Einmaligkeit von Projekten
Je Projektart eigene Standards
Inhalt: Vorgehensmodelle, Methoden, Tools, Organisation, Mitarbeiteranforderungen
Meist mehrstufige Zertifikate möglich
Spektrum vom universellen zum individuellen PM?
- universelles PM
- branchenbasiert
- firmenstandardbasiert
- projektinhaltbasiert
- projektartbasiert
- individuell auf das Projekt zugeschnitten
DIN 69901 / ISO 21500: Inhalt und Phasenmodell?
Normensammlung zum PM
5 PM-Phasen:
- Initialisierung
- Definition
- Planung
- Abschluss
Phasen können bei Bedarf mehrfach durchlaufen werden
ICB der IPMA: Worauf liegt der Fokus?
Individuelle Kompetenzen der Projektbeteiligten:
- persönlich
- kontextual
- technisch
Nutzt das Phasenmodell der DIN 69901
Im deutschen Sprachraum vertreten durch die GPM
PMBOK des PMI: Aufbau und Prozessgruppen?
Aufbau: Projektorganisation, Lebenszyklus, Prozessgruppen, Wissensgebiete
Prozessgruppen:
- Initiierung
- Ausführung
- Überwachung/Steuerung
PRINCE2: Herkunft und Prozessmodell?
Axelos, Ursprung GB, IT-Projekte
- Vorbereiten
- Lenken
- Initiieren
- Steuern
- Phasenübergang managen
- Abschließen
- Produktlieferung managen
Was ist der Grundgedanke agiler Standards?
- Individuen und Interaktionen statt Prozesse und Werkzeuge
- Auf Veränderungen reagieren statt Plänen folgen
Verbreitetes Vorgehensmodell: Scrum
Vorgehensmodell: Idee und typische Inhalte?
Bündelt Methoden, Prozesse und Phasen für einen standardisierten Projektablauf
- Phasen(-modell)
- Meilensteine mit Ergebnissen
- (Haupt-)Aktivitäten
- Methoden und Werkzeuge
- Rollenbeschreibungen
PM-Phase Initialisierung (DIN 69901): Was passiert?
- Projektbeginn
- Projektidee konkretisieren
- Idee analysieren und bewerten
- Projektziele grob skizzieren
- relevante PM-Prozesse auswählen
Ende: Freigabe
PM-Phase Definition (DIN 69901): Was passiert?
- Kernteam bilden
- Ziele definieren (spezifisch, messbar)
- Meilensteine und Phasen
- Umfeldanalyse
- Machbarkeitsanalyse
- Projektorganisation wählen
- Projektsteckbrief
PM-Phase Planung (DIN 69901): Was passiert?
Leitfrage: Was, wann, wie, durch wen?
- Projektstrukturplan, Arbeitspakete
- Ablauf und Termine
- Ressourcen und Kosten
- Risiken und Chancen
- ggf. Verträge abstimmen
- Projektplan erstellen
PM-Phase Steuerung (DIN 69901): Was passiert?
- geplante Aktivitäten umsetzen und überwachen
- Kick-off
- Plan/Ist-Abweichung
- Änderungsmanagement
- Teamentwicklung und Führung
PM-Phase Abschluss (DIN 69901): Was passiert?
- Nachkalkulation
- Abschlussbesprechung
- Abschlussbericht
- Archivierung/Übergabe der Ergebnisse
- Erfahrungssicherung
- Rückführung der Ressourcen
- Auflösung des Projektteams
Ende: Freigabe/Abnahme
PM-Phase vs. Projektphase: Unterschied?
PM-Phasen: immer 5 (I, D, P, S, A), standardisiert
Projektphasen: beliebig viele, firmen- und/oder branchenabhängig
Beide liegen im Projektlebenszyklus, sind aber nicht immer deckungsgleich
Welche Projektarten gibt es nach Komplexität?
Zwei Achsen: sozial-kommunikativ und fachlich-inhaltlich
- Standard: beide niedrig
- Akzeptanz: sozial hoch, fachlich niedrig
- Potential: fachlich hoch, sozial niedrig
- Pionier: beide hoch
Intern, strategisch, national: Woran erkennt man das?
Intern: Auftrag kommt aus dem eigenen Unternehmen
Strategisch: trägt maßgeblich zu den Unternehmenszielen bei
National: keine Hinweise auf Internationalität
Innovations- oder Fachprojekt: Woran entscheidet man?
Innovationsprojekt: mehrere innovative Neuerungen, z. B. auch neue Fertigungslinie
Fachprojekt: eher Facelift oder Modellpflege
Woran bemisst sich die Projektgröße?
Relativ zum Unternehmen, z. B. Budget im Verhältnis zum Jahresumsatz
Beispiel NOVA3: 7,5 Mio. € bei 350 Mio. € Umsatz
→ Großprojekt
Wie ist das Projekt NOVA3 (LiMotion) einzuordnen?
- intern
- strategisch
- Forschung und Entwicklung
- Potential- oder Pionierprojekt
- national
- Großprojekt
NOVA3: Woran erkennt man die Projektmerkmale?
- einmalig: Überarbeitung des Modells NOVA3
- befristet: 08/2025 bis 03/2028
- begrenzt: Budget 7,5 Mio. €
- eigene Organisation: PL, ca. 25 MA aus mehreren Abteilungen, Externe
- Risiken: Reifegrad, Regulatorik, Ressourcenkonflikte
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