Warum ist der Begriff „Migranten“ schwer eindeutig zu definieren?
Weil Migranten keine einheitliche Gruppe sind und sich u. a. nach Staatsbürgerschaft, eigener Migrationserfahrung und familiärem Hintergrund unterscheiden.
Was versteht man unter Interkulturalität?
Den Kontakt zwischen zwei Kulturen, teilweise mit Einbezug von Eigenreflexion, jedoch ohne systematische Berücksichtigung von Diversität.
Was ist eine zentrale Grenze des interkulturellen Ansatzes?
Er berücksichtigt keine Vielfalt von Diversitätsmerkmalen jenseits von Kultur.
Was kennzeichnet den transkulturellen Ansatz?
Er ist dynamisch, bezieht unterschiedliche Lebenswelten ein und berücksichtigt vielfältige Diversitätsmerkmale.
: Warum ist Transkulturalität zeitgemäßer als Interkulturalität?
Weil Gesellschaften hochgradig heterogen sind und Menschen nicht mehr nur über kulturelle Zugehörigkeit beschrieben werden können.
Worin unterscheidet sich der transkulturelle Ansatz von Leiningers Ansatz?
: Leininger fokussierte auf kulturelle Gruppen, Transkulturalität betrachtet individuelle Diversitätsmerkmale.
Warum ist der Blick auf individuelle Diversitätsmerkmale in der Pflege wichtig?
Um Pflege bedürfnisorientiert, sensibel und personenzentriert zu gestalten.
Wie wird kultursensible Pflege in Deutschland häufig verstanden?
Stark begrenzt auf Herkunftsland und Religion.
Warum reicht kultursensible Pflege allein nicht aus?
Weil viele weitere relevante Diversitätsmerkmale unberücksichtigt bleiben.
Was ist das Ziel diversitätssensibler Pflege?
Die Wahrnehmung und Einbeziehung aller relevanten Diversitätsmerkmale eines Menschen in Pflegeanamnese und Pflegepraxis.
Warum ist ein diversitätssensibler Ansatz in der Pflege unabdingbar?
Weil Menschen mehrere, sich überschneidende Diversitätsmerkmale besitzen, die Pflege beeinflussen.
Welche Rolle spielt Selbstreflexion für Pflegefachpersonen?
Sie hilft, eigene Diversitätsmerkmale, Vorannahmen und Haltungen zu erkennen.
Was bedeutet Diversität?
Vielfalt – die Gesamtheit unterschiedlicher Merkmale, die die Persönlichkeit eines Menschen ausmachen.
Welche drei Dimensionen umfasst der Diversitätskreis?
: Innere Dimensionen, äußere Dimensionen und organisationale Dimensionen.
Nenne Beispiele für innere Dimensionen.
Alter, Geschlecht, sexuelle Orientierung, ethnische Zugehörigkeit, Religion/Weltanschauung, physische Fähigkeiten.
Frage: Nenne Beispiele für äußere Dimensionen.
Wohnort, Einkommen, Ausbildung, Berufserfahrung, Familienstand, Elternschaft, Freizeitverhalten.
Was umfasst die organisationale Dimension?
Funktion, Einstufung, Arbeitsinhalt, Arbeitsort, Dauer der Zugehörigkeit, Managementstatus.
Warum muss der Diversitätskreis für die Pflege modifiziert werden?
Weil Pflege andere Handlungsräume und Anforderungen als die Betriebswirtschaft hat.
Warum sind auch die Diversitätsmerkmale des Pflegepersonals relevant?
Antwort: Sie beeinflussen Ressourcen, Perspektiven und diversitätssensibles Handeln.
Was bedeutet diversitätssensible Öffnung von Pflegeeinrichtungen?
: Die strukturelle und konzeptionelle Ausrichtung einer Einrichtung auf Vielfalt als Querschnittsaufgabe.
Wer trägt die Hauptverantwortung für die DSÖ?
Die Organisationsleitung.
Was ist externe Partizipation?
Die Einbeziehung von Pflegebedürftigen bzw. Klient:innen in den Öffnungsprozess.
Was ist interne Partizipation?
Die Einbeziehung und Sensibilisierung der Mitarbeitenden.
Welche Aufgaben hat die Steuerungsgruppe?
Koordination, Ressourcenplanung, Anpassung von Personal- und Arbeitsprozessen.
Warum ist Öffentlichkeitsarbeit im DSÖ-Prozess wichtig?
Sie fördert Akzeptanz und Sensibilisierung intern und extern.
Welche drei Aspekte sind zentral für diversitätssensible Pflege?
Reflexion, Entwicklung einer Haltung, Kontinuität.
Warum ist Haltung wichtiger als reines Wissen?
Weil Haltungen das Handeln unbewusst steuern.
Frage: Was sind Deutungsmuster?
Antwort: Unbewusste Handlungsregeln, die Wahrnehmung und Handeln lenken.
Frage: Wie kann Diversitätssensibilität gefördert werden?
Antwort: Durch kontinuierliche Reflexion, Austausch und institutionell geschaffene Räume.
Frage: Ist Diversitätssensibilität ein abgeschlossener Lernprozess?
Antwort: Nein, sie ist ein lebenslanger, dynamischer Prozess.
Frage: Was bedeuten Irritationen in der Pflegepraxis?
Antwort: Hinweise auf Grenzen eigener Erklärungs- und Handlungsmuster.
Frage: Wie sollten Pflegende mit Irritationen umgehen?
Antwort: Als Ressource für Reflexion und Weiterentwicklung nutzen.
Frage: Warum sind Handlungsmöglichkeiten kein „Rezeptwissen“?
Antwort: Weil jede Situation individuell ist und gemeinsam reflektiert werden muss.
Frage: Welche Rolle spielen Fallanalysen im Team?
Antwort: Sie ermöglichen Perspektivwechsel und fördern die Entwicklung einer diversitätssensiblen Haltung.
Was versteht man unter diversitätssensibler Pflege?
Eine Pflege, die unterschiedliche Lebenslagen, kulturelle Prägungen, sexuelle Orientierungen, Identitäten, Migrationserfahrungen und Traumatisierungen berücksichtigt, ohne zu diskriminieren oder zu „othern“.
Welche Personengruppen stehen im Fokus dieses Kapitels?
Menschen mit Migrationshintergrund
LSBT*I-Menschen
Kriegstraumatisierte Menschen
Wie definiert der Mikrozensus „Menschen mit Migrationshintergrund“?
Zugewanderte nach 1949
In Deutschland geborene Ausländer
In Deutschland geborene Deutsche mit mindestens einem zugewanderten Elternteil
Welche Gruppe älterer Migrant:innen ist besonders relevant für die Pflege?
Ehemalige „Gastarbeiter:innen“, die zwischen den 1950er- und 1970er-Jahren nach Deutschland kamen.
Welche Faktoren erschweren den Zugang zum Pflegesystem für Menschen mit Migrationshintergrund?
Niedriger sozioökonomischer Status
Sprachbarrieren
Kulturelle Barrieren
Fehlende Einführung ins Pflegesystem
Wie entwickelt sich der Anteil älterer Menschen mit Migrationshintergrund?
Er steigt deutlich an (z. B. von 1,9 % im Jahr 1970 auf 10,1 % im Jahr 2011 bei den über 60-Jährigen).
Unterscheidet sich die Pflegequote zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund?
Nein, laut Prognosen unterscheiden sich die Pflegequoten nicht wesentlich.
Welche Pflegeleistung wird von Menschen mit Migrationshintergrund besonders häufig genutzt?
Pflegegeld
Welche Leistungen werden von Menschen mit Migrationshintergrund seltener genutzt?
Ambulante Sachleistungen
Teilstationäre Pflege
Stationäre Pflege
Welche Pflegeform ist bei türkeistämmigen Pflegebedürftigen am häufigsten?
Häusliche Pflege durch Angehörige (bis zu 98 %).
Warum wird Pflege oft als „Familiensache“ verstanden?
: Aufgrund kultureller Normen, die Pflege als Aufgabe der Familie definieren.
Wann wird professionelle Pflege häufig in Anspruch genommen?
Erst in Krisensituationen, wenn Angehörige überlastet sind.
Welche Bedürfnisse haben Pflegebedürftige mit und ohne Migrationshintergrund gemeinsam?
Verbleib im eigenen Zuhause
Pflege durch vertraute Personen
Erhalt von Selbstbestimmung
Welche migrationsspezifischen Pflegebedürfnisse werden genannt?
Gleiche Sprache
Gleichgeschlechtliche Pflege
Respektvoller Umgang
Religiöse Bedürfnisse (z. B. Gebetsraum)
Welche Wünsche äußern Angehörige demenzerkrankter Migrant:innen?
Mehr ambulante Unterstützung
Flexiblere Pflegeleistungen
Enttabuisierung von Demenz
Weniger Stigmatisierung
Welche institutionellen Barrieren bestehen?
Fehlender oder eingeschränkter Versicherungsstatus
Eingeschränkter Zugang für Asylsuchende
Welche sozialen und kulturellen Barrieren bestehen?
Sprachprobleme
Andere Krankheits- und Pflegeverständnisse
Angst vor Stigmatisierung durch die Community
Welche Rolle spielt Diskriminierungserfahrung?Welche Rolle spielt Diskriminierungserfahrung?
Sie kann dazu führen, dass pflegerische Angebote gemieden werden.
Was ist „Pendelmigration“ und warum ist sie problematisch?
Wechselnder Aufenthalt zwischen Deutschland und Herkunftsland; kann zu Versorgungsabbrüchen und Doppelversorgung führen.
Warum ist Demenz bei Menschen mit Migrationshintergrund besonders herausfordernd?
Rückerinnerung an Migration
Sprachverlust (Zweitsprache)
Verstärkte Fremdheitserfahrungen
Was bedeutet „dreifache Fremdheit“ bei Demenz?
Fremdheit durch Alter
Fremdheit durch Migration
Fremdheit durch Demenz
Welche Folgen hat die Tabuisierung von Demenz?
Geringe Inanspruchnahme professioneller Hilfe
Überlastung der Angehörigen
Erhöhtes Risiko von Co-Erkrankungen
Frage: Warum gibt es kaum Daten zu LSBT*I-Pflegebedürftigen?
Sexuelle Orientierung wird in Pflegestatistiken nicht erhoben.
Welche besonderen Risiken haben ältere LSBT*I-Menschen?
Unsichtbarkeit
Angst vor Diskriminierung
Rückzug und Isolation
Welche Pflegeformen bevorzugen LSBT*I-Menschen?
Ambulante Pflege
Pflege-Wohngemeinschaften
LSBT*I-freundliche Wohnformen
Welche zentralen Erwartungen haben LSBT*I-Menschen an Pflege?
Akzeptanz und Offenheit
Anerkennung der sexuellen Identität
Schutz vor Diskriminierung
Wahrung der Privatsphäre
: Warum ist Sensibilisierung des Pflegepersonals wichtig?
Um Heteronormativität zu vermeiden und Vertrauen zu ermöglichen.
Was ist ein psychisches Trauma?
Ein belastendes Ereignis, das mit Hilflosigkeit einhergeht und das Selbst- und Weltverständnis erschüttert.
Welche Generation ist besonders von Kriegstraumata betroffen?
Menschen, die zwischen 1927 und 1947 geboren wurden.
Warum können Traumata im Alter wieder auftreten?
Abnahme von Verdrängungsmechanismen
Pflegebedürftigkeit
Demenz
: Was ist eine Retraumatisierung?
: Wiedererleben traumatischer Ereignisse durch Trigger (z. B. Pflegesituationen).
Welche Aufgaben haben Pflegefachpersonen im Umgang mit Traumata?
Sensibilisierung
Biografiearbeit
Trigger vermeiden
Sicherheit und Stabilität vermitteln
Warum ist sexualisierte Gewalt ein besonders relevantes Thema in der Pflege?
Wegen der Körpernähe und Intimpflege kann es leicht zu Retraumatisierungen kommen.
Frage: Warum ist Migration im Kinder- und Jugendalter pflegerelevant?
Weil Migration Entwicklungsprozesse, Gesundheit, Identitätsbildung, Zugang zu Versorgung und familiäre Rollenverteilungen beeinflusst.
Welche Gruppen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationserfahrung gibt es?
Zugewanderte Kinder und Jugendliche
In Deutschland geborene Kinder von Migrant:innen
Geflüchtete Kinder und Jugendliche
Unbegleitete minderjährige Geflüchtete (UMF)
Welche besonderen Herausforderungen bestehen in der pflegerischen Versorgung von Kindern mit Migrationshintergrund?
Sprachbarrieren (Kind und/oder Eltern)
Unterschiedliche Gesundheits- und Krankheitskonzepte
Unsicherheiten im Umgang mit dem deutschen Gesundheitssystem
Traumatische Erfahrungen (Flucht, Gewalt)
Welche Rolle spielen Eltern in der Pflege von Kindern mit Migrationshintergrund?
Eltern übernehmen meist eine zentrale Rolle als Pflegepersonen, Entscheidungsträger und Übersetzer – was sie stark belasten kann.
Warum ist der Einsatz von Kindern als Dolmetscher problematisch?
Überforderung der Kinder
Verzerrte Informationsweitergabe
Verletzung von Intimsphäre und Datenschutz
Rollenumkehr innerhalb der Familie
Welche pflegerischen Grundbedürfnisse haben Kinder unabhängig von Migration?
Sicherheit
Geborgenheit
altersgerechte Kommunikation
Beteiligung entsprechend ihrem Entwicklungsstand
Was bedeutet kultursensible Pflege bei Kindern und Jugendlichen?
Pflege, die kulturelle Prägungen der Familie berücksichtigt, ohne zu stereotypisieren, und das Kindeswohl in den Mittelpunkt stellt.
Welche kulturellen Aspekte können die Pflege beeinflussen?
Vorstellungen von Krankheit und Heilung
Ernährung
Scham- und Intimitätsgrenzen
Geschlechterrollen
Religiöse Regeln
Warum sind Kinder mit Fluchterfahrung besonders vulnerabel?
Erlebte Gewalt und Verlust
Unsichere Lebensbedingungen
Trennung von Bezugspersonen
Sprachlosigkeit bei Belastungen
Wie können Traumata bei Kindern sichtbar werden?
Rückzug oder Aggressivität
Schlafstörungen
Entwicklungsverzögerungen
Somatische Beschwerden ohne organische Ursache
Frage: Was umfasst das LGBTAQI*-Spektrum im Kinder- und Jugendalter?
Unterschiedliche sexuelle Orientierungen
Unterschiedliche geschlechtliche Identitäten
Intergeschlechtliche Variationen
Queere Selbstverortungen
: Warum ist LGBTAQI*-sensible Pflege bei jungen Menschen besonders wichtig?
Weil sich Identität, Körperbild und Selbstwert noch entwickeln und Diskriminierung besonders schädlich wirkt.
Welche Belastungen erleben LGBTAQI*-Kinder und Jugendliche häufig?
Mobbing und Ausgrenzung
Ablehnung in Familie oder Schule
Angst vor Offenlegung (Coming-out)
Erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen
Welche gesundheitlichen Risiken sind bei LGBTAQI*-Jugendlichen erhöht?
Depressionen
Angststörungen
Selbstverletzendes Verhalten
Suizidalität
: Welche zentralen Bedürfnisse haben LGBTAQI*-Kinder und Jugendliche in der Pflege?
Akzeptanz und Wertschätzung
Vertraulichkeit
Ernstnehmen der Selbstbezeichnung
Warum ist die richtige Ansprache (Name, Pronomen) pflegerelevant?
Weil sie Identität bestätigt, Vertrauen schafft und psychische Belastungen reduziert.
Frage: Wie sollte Pflegepersonal mit einem Coming-out umgehen?
Respektvoll
Ohne Druck
Vertraulich
Ressourcen- und unterstützungsorientiert
Frage: Welche Konflikte können zwischen LGBTAQI*-Jugendlichen und Eltern auftreten?
Ablehnung oder Unverständnis
Religiöse oder kulturelle Konflikte
Kontroll- oder Umerziehungsversuche
Frage: Welche ethische Verpflichtung haben Pflegefachpersonen?
Das Kindeswohl zu schützen, auch wenn elterliche Einstellungen dem widersprechen.
Frage: Welche Barrieren bestehen im Gesundheitswesen für LGBTAQI*-Jugendliche?
Hetero- und cisnormative Strukturen
Unwissen im Fachpersonal
Fehlende Schutzkonzepte
Frage: Was zeichnet eine LGBTAQI*-sensible Pflegeeinrichtung für junge Menschen aus?
Sichtbare Offenheit (z. B. Symbole, Sprache)
Geschultes Personal
Klare Schutz- und Beschwerdestrukturen
Zusammenarbeit mit Beratungsstellen
Warum sind LGBTAQI*-Jugendliche mit Migrations- oder Fluchterfahrung besonders vulnerabel?
Weil sie mehrfacher Diskriminierung ausgesetzt sind (z. B. aufgrund Herkunft, sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität).
Welche Rolle kann Pflege für diese Gruppe spielen?
Pflege kann ein sicherer Ort sein, Stabilität bieten und den Zugang zu Hilfsangeboten ermöglichen.
Warum ist der Kulturbegriff schwer eindeutig zu definieren?
Weil Kultur in verschiedenen Disziplinen unterschiedlich verstanden wird, viele Ebenen (individuell, sozial, gesellschaftlich) umfasst und sich ständig verändert.
Wie definiert Nünning Kultur?
Als vom Menschen geschaffene Welt geistiger, materieller und sozialer Güter sowie als Voraussetzungen sozialen Handelns (Werte, Denk- und Handlungsweisen).
Welche Ebenen von Kultur bezieht Nünning ein?
Individuelle, interpersonale und gesellschaftliche Ebenen sowie Deutungsmuster, die Handeln leiten.
Welche doppelte Funktion hat Kultur nach Nünning?
Sie wirkt identitätsstiftend (individuell und kollektiv), grenzt aber zugleich von anderen ab.
Wie versteht Max Fuchs Kultur?
Als Kategorie des Sozialen bzw. Totalitätsbegriff, nicht primär bezogen auf Individuen.
Was meint Fuchs mit der Aussage „Wer von Kultur spricht, spricht von Andersartigkeit“?
Kultur wird häufig genutzt, um Unterschiede zwischen Menschen oder Gruppen zu markieren.
Wie kritisiert Uzarewicz den Kulturbegriff?
Als unscharfen Abgrenzungs- und Kollektivbegriff ohne klare Kriterien, der Andersartigkeit betont.
Warum reicht gemeinsame Sprache nicht für gegenseitiges Verstehen aus?
Weil Metaphern, kulturelle Bedeutungen und Deutungsmuster unterschiedlich sein können.
Was zeigt das Beispiel „Ich habe den Kopf gegessen“?
: Dass wörtliche Übersetzungen zu Fehlinterpretationen führen können (hier: Ausdruck von Verzweiflung statt Psychose).
: Was ist der „Morbus Bosporus“?
: Ein stereotype Zuschreibung von Ganzkörperschmerz bei Menschen aus Südeuropa, oft als psychosomatisch abgewertet.
Welche Gefahr besteht bei solchen Zuschreibungen in der Pflege?
Reale somatische Beschwerden können übersehen oder nicht weiter untersucht werden.
Wie sieht Knipper Kultur im Pflegekontext?
Als Denk- und Wahrnehmungsmuster, die erst im Kontakt mit Andershandelnden bewusst werden.
Wann wird Kultur nach Knipper wahrgenommen?
Wenn Erwartungen enttäuscht werden und anderes Verhalten als „unpassend“ erlebt wird.
Was kritisiert Peters am essentialistischen Kulturbegriff?
Die Annahme homogener, klar abgegrenzter, statischer Kulturen.
Wovon rät Peters ausdrücklich ab?
Kultur mit Herkunft, Nationalität, Sprache oder Gruppenzugehörigkeit gleichzusetzen.
Was kennzeichnet ein konstruktivistisches Kulturverständnis?
Fokus auf Gemeinsamkeiten, Berücksichtigung individueller Biografien und Lebenswelten.
Was bedeutet Kulturalisierung?
Probleme werden einseitig auf die (zugeschriebene) kulturelle Zugehörigkeit zurückgeführt.
Welche Faktoren blendet Kulturalisierung aus?
Soziale, strukturelle, ökonomische und institutionelle Ungleichheiten.
Warum ist Kulturalisierung problematisch?
Sie stabilisiert Ungleichheiten und reproduziert Vorurteile.
Was bedeutet Kulturalisierung auf der Mikroebene?
Individuen werden mit zugeschriebenen Bedürfnissen konfrontiert, ohne diese selbst geäußert zu haben.
Frage: Was ist mit „Erwartungserwartungen“ gemeint?
Antwort: Pflegekräfte erwarten bestimmte Bedürfnisse, weil sie diese kulturell zuschreiben.
Was ist eine Folge kulturalisierter Erwartungen in der Pflegebeziehung?
Voreingenommenheit und gestörte Kommunikation.
Was bedeutet Kulturalisierung auf der Mesoebene?
Einrichtungen schaffen spezielle Angebote für Gruppen, die oft nicht zu realen Bedürfnissen passen.
Was bedeutet Kulturalisierung auf der Makroebene?
Politische Annahme, dass Familien mit Migrationshintergrund Pflege automatisch selbst übernehmen.
Was ist Othering?
Die Konstruktion von „Wir“ und „den Anderen“ durch Zuschreibung von Differenz.
Welche Merkmale führen häufig zu Othering?
Antwort: Sprache, Religion, Herkunft, Aussehen.
Frage: Kann Othering auch positiv sein?
Antwort: Ja, z. B. bei positiver Diskriminierung – bleibt aber grundsätzlich problematisch.
Frage: Warum ist Othering immer kritisch zu betrachten?
Antwort: Weil es Ungleichheit und Abwertung erzeugt.
Frage: Welche Wirkung hat Othering in der Altenpflege?
Antwort: Es schafft Distanz und reduziert Menschen auf ein Differenzmerkmal.
Frage: Wie kann Othering auf interpersonaler Ebene verringert werden?
Antwort: Durch Selbstreflexion der eigenen Kulturgebundenheit und Stereotype.
Frage: Wie kann Othering im Team bearbeitet werden?
Antwort: Durch Fallbesprechungen, Perspektivwechsel und gemeinsame Reflexion.
Frage: Wie kann Othering auf organisationaler Ebene vermieden werden?
Antwort: Durch diversitätssensible Öffnung der Einrichtungen.
Frage: Was ist Interkulturalität nach Albrecht?
Antwort: Ein Bewusstseins- und Erkenntnisprozess durch Wahrnehmung kultureller Pluralität.
Frage: Wie definiert Lüsebrink Interkulturalität?
Antwort: Als Phänomene, die aus dem Kontakt unterschiedlicher Kulturen entstehen.
Frage: Was bedeutet das „Inter“ in Interkulturalität im Pflegekontext?
Antwort: Reflexion sozialer Asymmetrien und der eigenen Position.
Frage: Warum ist soziale Gerechtigkeit zentral für Interkulturalität in der Pflege?
Antwort: Um Diskriminierung und Versorgungsungleichheit zu vermeiden.
Frage: Was umfasst interkulturelle Kompetenz in der Pflege?
Antwort: Wissen über soziale Einflüsse, Selbstreflexion, Respekt und Umgang mit Fremdheit.
Frage: Was ist wichtig im Umgang mit kulturellen Unterschieden?
Antwort: Unterschiede wahrnehmen, aber Menschen nicht darauf reduzieren.
Frage: Welche Haltung ist Voraussetzung für interkulturelle Kompetenz?
Antwort: Offenheit, Reflexionsbereitschaft und Respekt.
Frage: Was ist interkulturelle Öffnung?
Antwort: Ein Organisationsentwicklungsprozess zum Abbau von Zugangsbarrieren.
Frage: Welche Bereiche umfasst interkulturelle Öffnung?
Antwort: Organisations-, Personal- und Qualitätsmanagement.
Frage: Was ist ein zentrales Ziel interkultureller Öffnung?
Antwort: Gleichwertiger und gleichberechtigter Zugang zum Gesundheitswesen.
Frage: Woher stammt das Konzept der Transkulturalität in der Pflege?
Antwort: Aus Leiningers Sunrise-Modell.
Frage: Was ist das Ziel transkultureller Pflege nach Leininger?
Antwort: Kulturkongruente Pflege, die Wohlbefinden und Gesundheit fördert.
Frage: Wie kritisiert Yildiz ältere Kulturkonzepte?
Antwort: Als essentialistisch und überholt.
Frage: Was betont Transkulturalität im Gegensatz zur Interkulturalität?
Antwort: Dynamik, Überschneidungen, hybride Identitäten und Gemeinsamkeiten.
Frage: Was bedeutet „transkategorial“?
Antwort: Jenseits fester Kategorien wie Herkunft oder Ethnie.
Frage: Was ist Kultursensibilität?
Antwort: Eine respektvolle, differenzierte Haltung gegenüber kulturellen Prägungen und Bedürfnissen.
Frage: Was kennzeichnet kultursensible Pflege?
Biografie- und Subjektorientierung sowie Reflexion des eigenen Handelns.
Frage: Warum ist Selbstreflexion zentral für kultursensible Pflege?
Um eigene Werte, Normen, Scham und Vorurteile zu erkennen und zu reflektieren.
Was sind zentrale Elemente kultursensibler Pflege?
Dialog, Perspektivwechsel, Beziehungsgestaltung, Wissen, Selbstreflexion.
Reicht Mehrsprachigkeit des Personals für kultursensible Pflege aus?
Nein, sie ersetzt keine reflektierte Haltung.
Wie wird kultursensible Pflege in Curricula umgesetzt?
Uneinheitlich und oft ohne ausreichende Reflexion.
Welche Gefahr besteht bei reinem Faktenwissen über Kulturen?
Stereotypisierung und Othering.
Was ist das zentrale Ziel kultursensibler Pflege?
Individuelle, wertschätzende Pflege für alle Menschen – unabhängig von Herkunft.
6. Was ist kommunikative Kompetenz?
Die Fähigkeit, Sprache situations- und kontextangemessen einzusetzen.
Warum ist Sprache als organisiert zu betrachten?
Weil sie festen Mustern folgt, die Analyse und Vergleich von Kommunikation ermöglichen.
Was ist Sprecherwechsel?
Das strukturierte Abwechseln von Sprecher- und Zuhörerrollen in der Kommunikation.
Welche drei Grundoptionen des Sprecherwechsels gibt es?
Aktueller Sprecher wählt nächsten / nächster Sprecher meldet sich selbst / aktueller Sprecher spricht weiter.
. Was ist eine Sequenz?
ine Gruppe zusammenhängender Sprecherwechsel (z. B. Frage–Antwort)
Können Sprecherwechsel auch ohne Worte stattfinden?
Ja, z. B. durch Geräusche („hmmm“) oder Stille.
Was beeinflusst Sprecherwechsel?
Kontext, Hierarchie, Situation, Anzahl der Beteiligten.
Was sind kulturelle Muster?
Wiedererkennbare Verhaltensweisen oder Tendenzen innerhalb einer Kultur.
. Sind kulturelle Muster immer gleich?
→ Nein, sie beschreiben Wahrscheinlichkeiten, keine festen Regeln.
Was ist eine kontextstarke Kultur?
Eine Kultur, in der Bedeutung stark aus dem Kontext und weniger aus dem Gesagten entsteht.
Beispiel für kontextstarke Kommunikation?
Indirekte Bitten oder Andeutungen, deren Bedeutung aus der Beziehung erschlossen wird.
Was ist eine kontextschwache Kultur?
Eine Kultur, in der Bedeutung explizit im Gesprochenen kodiert ist.
Beispiel für kontextschwache Kommunikation?
Direkte, klare Aussagen ohne viele Höflichkeitsformeln.
Welche Kulturen gelten als eher kontextschwach?
Viele westliche Kulturen, z. B. Deutschland, USA.
Was ist ein direkter Sprachstil?
lare, unverblümte Aussagen ohne Abschwächungen.
Was ist ein indirekter Sprachstil?
Aussagen mit sprachlichen Hecken, Höflichkeitsformen oder Andeutungen.
Wozu dienen sprachliche Hecken?
Zur Abschwächung der Aussage und zur Gesichtswahrung.
Welche Kulturen bevorzugen indirekten Sprachstil?
Kontextstarke und kollektivistische Kulturen.
Was bedeutet Gesichtswahrung?
Das Vermeiden von Bloßstellung oder sozialem Gesichtsverlust.
Was ist polychrones Zeitverständnis?
Zeit wird flexibel gesehen; Beziehungen und Ziele sind wichtiger als Zeitpläne.
Was ist monochrones Zeitverständnis?
Zeit wird linear, geplant und strikt eingehalten.
Welche Kulturen sind eher polychron?
Kontextstarke Kulturen.
Welche Kulturen sind eher monochron?
Kontextschwache Kulturen
Wie hängen Zeitverständnis und Kultur zusammen?
Kontextstark = polychron, kontextschwach = monochron (Tendenzen).
. Was ist die Metakultur?
→ Eine globale, oberflächliche Ebene geteilter Normen und Erwartungen.
. Beispiele für Metakultur?
→ Flughäfen, Bankprozesse, globale Symbole.
Vorteil der Metakultur?
→ Erleichtert internationale Interaktion.
Nachteil der Metakultur?
33. Nachteil der Metakultur?
→ Verdeckt tiefere kulturelle Unterschiede.
34. Warum ist kulturelle Selbstwahrnehmung wichtig?
→ Um eigene Erwartungen zu erkennen und Missverständnisse zu vermeiden.
Welche Bereiche betreffen kulturelle Selbstwahrnehmung?
eit, Direktheit, Kritik, Nähe/Distanz, Vertrauen, Höflichkeit.
Was ist kommunikative Kompetenz?
Was ist Sprache?
Sprache ist eine Form der Kommunikation innerhalb einer Gruppe von Menschen, die sinnhafte Gedanken und/oder Symbole repräsentiert.
Welche Beziehung besteht zwischen Sprache und Denken?
Manche Theorien (Sapir-Whorf) gehen davon aus, dass Sprache Denken formt; andere, dass der Kontext die Sprache prägt.
Warum ist Sprache zentral für menschliche Interaktion?
Weil fast alle sozialen Handlungen sprachlich begleitet oder beeinflusst sind.
Was bedeutet „Man kann nicht nicht kommunizieren“?
ede Handlung (auch Schweigen) hat kommunikativen Charakter
Was ist eine Lingua franca?
Ein gemeinsamer Code, der Menschen unterschiedlicher kultureller Hintergründe zur Zielerreichung verbindet.
Was ist das Hauptziel des interpretativen Ansatzes?
Menschliches Verhalten detailliert zu beschreiben, nicht vorherzusagen.
Wer war ein zentraler Vertreter dieses Ansatzes?
→ Dell Hymes, Begründer der Ethnografie der Kommunikation.
Welche Stärke hat der interpretative Ansatz?
Er berücksichtigt situative Kontexte und zeigt feine Kommunikationsmuster auf.
Welche Schwäche hat der Ansatz?
→ Subjektivität und eingeschränkte Generalisierbarkeit der Ergebnisse.
Wie versteht der kritische Ansatz Realität?
Als subjektiv und geprägt von Machtverhältnissen.
0. Welche Disziplinen nutzen den kritischen Ansatz?
Politikwissenschaft, Geschichte, Philosophie, Sozialarbeit.
Wie wird Kultur im kritischen Ansatz gesehen?
Als Schlachtfeld sozialer und politischer Machtkämpfe.
Was ist das Ziel kritischer Forschung?
Gesellschaftliche Verhältnisse zu verändern und Ungerechtigkeit sichtbar zu machen.
Welche Methoden werden hauptsächlich eingesetzt?
Text- und Medienanalysen (Zeitungen, Filme, politische Texte).
Welche Stärke hat der kritische Ansatz?
Er deckt soziale Ungleichheit, Machtstrukturen und Diskriminierung auf.
Welche Grenze hat der kritische Ansatz?
Er vernachlässigt persönliche Interaktion und gilt teils als zu abstrakt.
Wie unterscheiden sich die drei Ansätze grundsätzlich?
Sozialwissenschaftlich: Vorhersage & Messung
Interpretativ: Beschreibung & Kontext
Kritisch: Veränderung & Machtanalyse
37. Warum ist die Kombination der drei Ansätze sinnvoll?
Weil sie unterschiedliche Ebenen von Kommunikation, Kultur und Gesellschaft abdecken.
Wie hat sich die Forschung zur interkulturellen Kommunikation entwickelt?
on eher kausalen und statischen Modellen hin zu kontextbezogenen, dynamischen und kritischen Ansätzen.
Warum ist es schwierig, Kultur eindeutig zu definieren?
Weil sich Kulturen überschneiden und das, was für den einen Kultur ist, für den anderen eine Subkultur sein kann.
Warum ist diese Kommunikationsdefinition bewusst weit gefasst?
Um komplexe Interaktionen und unterschiedliche Forschungsinteressen abzudecken.
Welche bekannten frühen Forscher prägten die interkulturelle Kommunikation?
E. T. Hall, Geert Hofstede und William Gudykunst.
Was ist die Sapir-Whorf-Hypothese?
Die Annahme, dass Sprache beeinflusst, wie Menschen denken und die Welt wahrnehmen.
Warum ist das Weltbild eines Forschers so wichtig?
Es bestimmt, wie Realität verstanden wird und wie Forschung konzipiert und durchgeführt wird.
. Welche drei Hauptansätze der interkulturellen Kommunikationsforschung gibt es?
Sozialwissenschaftlicher, interpretativer und kritischer Ansatz.
Wie versteht der sozialwissenschaftliche Ansatz Realität?
Als äußerlich bestimmt und grundsätzlich vorhersehbar.
Welche Disziplinen nutzen diesen Ansatz vor allem?
sychologie und Soziologie.
Welche Methoden werden eingesetzt?
Quantitative Methoden wie Umfragen, Fragebögen, Interviews und Beobachtungen.
Was ist das Hauptziel dieses Ansatzes?
Menschliches Verhalten zu beschreiben und vorherzusagen.
Wie wird das Verhältnis von Kultur und Kommunikation gesehen?
Kommunikation wird von Kultur beeinflusst.
Welche Vorteile hat der sozialwissenschaftliche Ansatz?
Er identifiziert kulturelle Unterschiede und soziale Trends.
. Welche Kritik gibt es an diesem Ansatz?
ereinfachung komplexen Verhaltens, eingeschränkte Vorhersagbarkeit, Übersetzungsprobleme bei Umfragen.
Wie versteht der interpretative Ansatz Realität?
Als dynamisch, ko-konstruiert und durch Interaktion entstehend.
Welche Disziplinen vertreten diesen Ansatz?
→ Anthropologie, Linguistik, Soziolinguistik, Gesprächsanalyse.
. Welche Methoden werden verwendet?
Qualitative Methoden wie Beobachtung, Feldforschung, Gesprächsanalysen.
Warum ist interkulturelle Kommunikation ein komplexes Forschungsfeld?
Weil menschliches Verhalten komplex ist und je nach Weltbild, Disziplin und Forschungsansatz unterschiedlich interpretiert wird.
Warum gibt es keinen „richtigen“ Ansatz zur Erforschung interkultureller Kommunikation?
Weil Realität, Kultur und Kommunikation unterschiedlich wahrgenommen werden und jeder Ansatz andere Aspekte beleuchtet.
. Wovon hängt die Definition interkultureller Kommunikation ab?
Vom Weltbild des Forschers und davon, ob Realität als extern bestimmt oder subjektiv konstruiert verstanden wird.
Was bedeutet „interkulturell“?
Die Interaktion zwischen zwei oder mehr Kulturen, die sozial, geografisch, ethnisch oder durch andere Merkmale definiert sein können.
. Wie wird Kultur in diesem Studienkontext definiert?
Als gemeinsame Verhaltensweisen einer beliebigen Gruppe (z. B. national, sozial, religiös, altersbezogen).
Wann spricht man von interkultureller Interaktion?
Wenn zwei oder mehr kulturell unterschiedliche Gruppen miteinander interagieren.
Was versteht man unter Diskriminierung?
Diskriminierung liegt vor, wenn Menschen in einer vergleichbaren Situation schlechter behandelt werden, weil sie einer bestimmten sozialen Gruppe angehören, und es dafür keinen sachlichen Rechtfertigungsgrund gibt.
uf welcher Ebene zeigen sich Stereotype und Vorurteile als Diskriminierung?
Auf der Verhaltensebene, z. B. durch Benachteiligung, Ausgrenzung oder Abwertung.
Welche drei Kriterien müssen erfüllt sein, damit von Diskriminierung gesprochen werden kann?
Schlechtere Behandlung
Anknüpfung an ein schützenswertes Merkmal
Kein sachlicher Rechtfertigungsgrund
Welches Gesetz schützt in Deutschland vor Diskriminierung?
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG).
Seit wann gilt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG)?
Seit 2006.
Welche Merkmale sind durch das AGG geschützt?
Ethnische Herkunft, „Rasse“, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter und sexuelle Identität.
Gegen wen richtet sich das AGG?
Gegen Diskriminierung durch private Akteure, z. B. Arbeitgeber, Vermieter oder Dienstleister.
In welchen gesellschaftlichen Bereichen tritt Diskriminierung häufig auf?
Auf dem Arbeitsmarkt, Wohnungsmarkt, im Bildungssystem, in persönlichen Beziehungen und in der Rechtsprechung.
Frage: Warum besteht trotz gesetzlicher Verbote weiterhin Diskriminierung?
Weil Diskriminierung oft subtil ist, schwer nachweisbar und nicht immer eindeutig erkennbar.
Warum ist Diskriminierung schwer nachzuweisen?
Weil es meist viele mögliche Ursachen für Benachteiligung gibt und selten eindeutig feststeht, ob Gruppenzugehörigkeit ausschlaggebend war.
: Warum können Betroffene oft nicht sicher sagen, ob sie diskriminiert wurden?
Weil diskriminierendes Verhalten häufig indirekt ist und interpretationsabhängig bleibt.
Was beeinflusst, ob Menschen ein Verhalten als diskriminierend wahrnehmen?
Antwort: Individuelle Eigenschaften und der jeweilige soziale Kontext.
Was ist die Varianzanalyse im Zusammenhang mit Diskriminierung?
Ein statistisches Verfahren, das Unterschiede zwischen Gruppen vergleicht, z. B. Einkommen von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund.
Warum ist die Varianzanalyse zur Messung von Diskriminierung umstritten?
Weil nicht alle relevanten Einflussfaktoren messbar sind und Diskriminierung damit nicht eindeutig bewiesen werden kann.
Welche Methode kann Diskriminierung eindeutig nachweisen?
Experimente, z. B. mit nahezu identischen Bewerbungen, die sich nur im Namen oder Foto unterscheiden.
Welche psychischen Folgen kann Diskriminierung haben?
Depressionen, vermindertes Selbstwertgefühl, Stress und emotionale Belastung.
Welche Verhaltensfolgen können Diskriminierungserfahrungen haben?
Rückzug, soziale Isolation, Aggression oder antisoziales Verhalten.
Warum führt Anpassung zur Vermeidung von Diskriminierung zu Stress?
Weil sie dauerhaft psychisch belastet und die eigene Identität unterdrückt.
Was hilft Betroffenen, ihr Selbstbewusstsein trotz Diskriminierung zu schützen?
: Ein hohes Selbstwertgefühl und eine positive, stabile Gruppen- bzw. ethnische Identität.
Warum sind ambivalente Diskriminierungserfahrungen besonders belastend?
Weil unklar bleibt, ob die Ablehnung persönlich oder gruppenbezogen ist.
Was bedeutet der Begriff „Stereotype Threat“?
: Die Angst, ein negatives Stereotyp über die eigene Gruppe zu bestätigen, was die Leistung tatsächlich verschlechtert.
Wie wirkt sich Stereotype Threat auf Leistung aus?
Er kann Testergebnisse, kognitive Leistung und Entscheidungen negativ beeinflussen.
Warum ist Stereotype Threat eine selbsterfüllende Prophezeiung?
Weil die Angst vor dem Stereotyp zu schlechterer Leistung führt, was das Stereotyp scheinbar bestätigt.
: Wie kann der Effekt des Stereotype Threat reduziert werden?
Durch Wertschätzung von Vielfalt und die Stärkung einer positiven Identität.
Was zeigte das klassische Experiment von Muzafer Sherif?
Dass Wettbewerb zwischen Gruppen schnell zu Feindseligkeit führt, Kooperation an gemeinsamen Zielen jedoch Konflikte abbaut.
Wie können Gruppenkonflikte langfristig reduziert werden?
Durch gemeinsame übergeordnete Ziele und eine geteilte soziale Identität.
Warum kann eine gemeinsame Identität Diskriminierung verringern?
: Weil Unterschiede zwischen Gruppen an Bedeutung verlieren, wenn eine übergeordnete Gruppenzugehörigkeit wichtig wird.
Warum kann es auch zwischen Migrantengruppen zu Konflikten kommen?
Wegen kultureller, politischer, religiöser Unterschiede und belastender äußerer Bedingungen.
Welche Faktoren verstärken Konflikte in Sammelunterkünften?
Enge Wohnverhältnisse, Unsicherheit, traumatische Erfahrungen und fehlende Betreuung.
Wie kann Migrationsarbeit mit interkulturellen Konflikten umgehen?
Durch gezielte Angebote, Förderung von Kooperation oder bei Bedarf durch getrennte Maßnahmen.
Was sind Stereotype?
Stereotype sind kognitive Strukturen, die Wissen, Überzeugungen und Erwartungen über eine bestimmte Gruppe von Menschen enthalten.
Wie entstehen Stereotype?
Sie entstehen, indem das Gehirn komplexe Informationen vereinfacht und Unsicherheiten mit Annahmen ausfüllt.
Warum nutzt der Mensch Stereotype?
Um sich in einer komplexen, reizüberfluteten und unsicheren sozialen Umwelt schneller orientieren und handeln zu können.
e: Nenne ein Beispiel für ein Stereotyp.
Die Annahme, dass alle Deutschen Sauerkraut essen oder alle Italiener Spaghetti mögen.
Warum können Stereotype im Alltag hilfreich sein?
Sie ermöglichen schnelle Einschätzungen, z. B. dass ein Mann in Uniform ein Polizist oder Schaffner ist.
Warum sind Stereotype für das gesellschaftliche Zusammenleben wichtig?
Ohne sie wäre eine funktionierende soziale Ordnung und reibungslose Interaktion kaum möglich.
Warum sind ethnische Stereotype besonders problematisch?
Sie können nicht „abgelegt“ werden wie eine Uniform und betreffen Menschen dauerhaft aufgrund ihres Aussehens oder Namens.
Welche Folgen können falsche Stereotype haben?
Sie können zu Benachteiligung im sozialen und beruflichen Leben führen, z. B. bei Bewerbungen.
Warum bleiben Stereotype oft stabil?
Weil falsche Annahmen häufig nicht hinterfragt oder korrigiert werden.
Wie beeinflusst soziale Segregation Stereotype?
Da enge Beziehungen meist innerhalb homogener Gruppen stattfinden, werden andere Gruppen oft nur oberflächlich und stereotyp wahrgenommen.
Was sind Vorurteile?
: Vorurteile sind emotionale Reaktionen gegenüber einer sozialen Gruppe und ihren Mitgliedern.
Worin unterscheiden sich Stereotype und Vorurteile?
: Stereotype sind kognitiv (Wissen/Annahmen), Vorurteile sind emotional bewertet.
Wie hängen Stereotype, Vorurteile und Diskriminierung zusammen?
Stereotype (Wissen) → Vorurteile (Emotionen) → Diskriminierung (Verhalten).
Warum erfüllen Vorurteile eine wichtige Funktion?
Sie helfen, potenzielle Gefahren schnell zu erkennen und darauf zu reagieren.
In welchen Situationen beeinflussen Vorurteile unser Verhalten besonders stark?
In unsicheren, unübersichtlichen oder bedrohlichen Situationen.
Nenne ein Beispiel für situationsabhängige Vorurteile.
Eine unbekannte Person wirkt nachts in einer dunklen Straße bedrohlicher als auf einer Familienfeier.
Sind Menschen ihren Vorurteilen ausgeliefert?
Nein, Stereotype und Vorurteile können bewusst hinterfragt und reflektiert werden.
Warum ist Reflexion von Vorurteilen wichtig?
Sie hilft, angemessener zu reagieren und Diskriminierung zu vermeiden.
Wann sind Vorurteile eher gerechtfertigt?
In potenziell gefährlichen Situationen, in denen schnelle Reaktionen nötig sind.
Wann sollten Stereotype und Vorurteile bewusst zurückgestellt werden?
In Situationen wie Bewerbungsgesprächen, in denen genug Zeit und Informationen für eine faire Entscheidung vorhanden sind.
Warum sind Stereotype unvermeidbar?
Sie sind notwendig, um Informationen zu vereinfachen und handlungsfähig zu bleiben.
Was ist die zentrale Gefahr von Stereotypen und Vorurteilen?
Sie können falsch sein, unsere Wahrnehmung verzerren und zu Diskriminierung führen.
Wie sollte man mit eigenen Stereotypen umgehen?
Bewusst, kritisch und reflektiert – sie bei Bedarf anpassen oder revidieren.
Was bedeutet ethnische Segregation?
Ethnische Segregation bezeichnet die räumliche und soziale Trennung ethnischer Gruppen und stellt den Gegenpol zur gesellschaftlichen Integration dar.
Welche Ebenen von Segregation gibt es?
Räumliche Segregation (z. B. Wohnviertel) und soziale Segregation (z. B. Freundeskreise, Bildung, Arbeit).
Warum leben Menschen mit und ohne Migrationshintergrund oft nebeneinanderher?
Wegen fehlender Berührungspunkte, sprachlicher Barrieren, sozialer Ungleichheit, Selbstselektion und mangelnder interkultureller Begegnungsräume.
Was sind Opportunitäten im Kontext von Segregation?
Gelegenheiten für interkulturelle Begegnungen in Alltagssystemen wie Nachbarschaft, Schule, Arbeit oder Freizeit.
Warum sind interkulturelle Begegnungen trotz Vielfalt selten?
Weil soziale Systeme meist ethnisch und sozial homogen sind und Grenzen schwer zu überwinden sind.
Welche Faktoren begrenzen Opportunitäten zur Integration?
Selbstselektion, finanzielle Ressourcen, Diskriminierung, Wohnungsmarkt, Sprachkenntnisse und Bildungszugang.
Warum spielt die wirtschaftliche Lage eine zentrale Rolle bei Segregation?
Weil finanzielle Ressourcen den Zugang zu Wohnraum, Bildung, Freizeitangeboten und sozialen Netzwerken bestimmen.
Warum haben Geflüchtete oft schlechtere Integrationschancen?
Wegen eingeschränkter Mobilität, fehlender Arbeitserlaubnis, Sprachbarrieren und isolierter Unterbringung.
Was bedeutet Homophilie?
Die Tendenz von Menschen, bevorzugt Kontakt zu anderen zu suchen, die ihnen ähnlich sind (z. B. Alter, Bildung, Ethnie).
n welchen Merkmalen wirkt Homophilie besonders stark?
Alter, Geschlecht, Bildung, sozialer Status, politische und religiöse Einstellungen, kultureller Hintergrund.
Warum erleichtert Homophilie soziale Interaktion?
: Sie reduziert Unsicherheit, erleichtert Einschätzungen und erhöht Vorhersagbarkeit und Vertrauen.
Wie kann Homophilie zur Segregation führen?
Wenn Ähnlichkeit nach Ethnie, Geschmack oder Einstellungen soziale Netzwerke voneinander trennt.
Was ist der Ingroup-Bias?
Die Bevorzugung der eigenen Gruppe gegenüber Fremdgruppen – auch ohne sachlichen Grund.
Frage: Was besagt das Minimalgruppenparadigma?
Selbst zufällige Gruppenzuordnungen führen dazu, dass Menschen ihre eigene Gruppe bevorzugen.
Wie äußert sich Ingroup-Bias konkret?
ehr Vertrauen, Empathie, Kooperation und Hilfsbereitschaft gegenüber der eigenen Gruppe.
Warum ist Ingroup-Bias evolutionär erklärbar?
Eigene Gruppen boten früher Schutz und Überleben, Fremde stellten potenzielle Gefahren dar.
Wann verstärkt sich Ingroup-Bias besonders?
Bei wahrgenommener Bedrohung oder Unsicherheit.
Welche strukturellen Faktoren verstärken Segregation zusätzlich?
: Hohe Mieten, Diskriminierung, Sprachprobleme, ungleiche Bildungschancen und eingeschränkte Karrierewege.
arum gilt Segregation als gesellschaftliches Problem?
Sie reproduziert soziale Ungleichheit und behindert Integration.
: Was sind mögliche Folgen von Segregation für Kinder?
Schlechtere Bildungschancen, eingeschränkter Spracherwerb und fehlende Chancengleichheit.
Welche Rolle spielt Segregation im Bildungssystem?
Sie verschärft Bildungsungleichheiten und überfordert Schulen in stark segregierten Vierteln.
Frage: Welche gesellschaftlichen Risiken entstehen durch Segregation?
Antwort: Armut, Langzeitarbeitslosigkeit, Kriminalität, Radikalisierung und Demokratiefeindlichkeit.
: Wen betreffen die negativen Folgen von Segregation?
Menschen mit und ohne Migrationshintergrund gleichermaßen.
Warum ist Armutsbekämpfung zentral für Integration?
Weil wirtschaftliche Sicherheit Zugang zu Bildung, Arbeit und sozialen Netzwerken ermöglicht.
Was bedeutet Systemintegration?
Der Zusammenhalt und die funktionale Verbindung der Teile einer Gesellschaft.
Welche Herausforderungen gibt es in der Flüchtlingshilfe?
Hohe Erwartungen, emotionale Belastung und Enttäuschungen bei Helfenden.
Warum ist Helfen nicht nur altruistisch?
Weil es positive Gefühle erzeugt und psychologisch belohnend wirkt.
Warum ziehen sich Helfende manchmal zurück?
Wegen Frustration, Überforderung und enttäuschter Erwartungen.
Welche Strategien helfen Helfenden, langfristig engagiert zu bleiben?
Selbstfürsorge, realistische Erwartungen, Abgrenzung und kollegialer Austausch.
Welche Rolle spielt Religion für Integration und gesellschaftliche Teilhabe?
Der Einfluss von Religion auf Integration wird häufig überschätzt; entscheidender sind soziale, ökonomische und bildungsbezogene Faktoren.
Warum wird der Islam oft als Integrationshindernis betrachtet?
Wegen Terrorismus, radikalem Islamismus und gesellschaftlicher Debatten – nicht wegen grundlegend anderer Werte gegenüber dem Christentum.
Welche Gemeinsamkeiten haben Islam und Christentum?
Gemeinsame Werte, Schriften und Propheten sowie konservative, progressive und radikale Strömungen.
Wie wirkt sich Terrorismus auf die Akzeptanz von Muslimen aus?
: Er verschlechtert die gesellschaftliche Akzeptanz von Muslimen in Europa deutlich.
Wie stark fühlen sich Muslime in Deutschland emotional integriert?
Muslime der ersten und zweiten Generation fühlen sich weniger zugehörig als Christen.
Kann aus der Korrelation von Religion und Integration auf Kausalität geschlossen werden?
: Nein, Korrelation bedeutet nicht Kausalität (z. B. Vergleich Schuhgröße und Einkommen).
Welche Faktoren beeinflussen Integration stärker als Religion?
Bildung, sozioökonomischer Status und gesellschaftliche Teilhabe.
Welche Rolle spielt sichtbare Religionszugehörigkeit?
: Ein sichtbares Bekenntnis zum Islam kann negative Auswirkungen haben – oft durch Diskriminierung.
Warum ziehen sich Menschen in eigene ethnische Milieus zurück?
Wegen sozialer und wirtschaftlicher Benachteiligung – nicht primär wegen Religion.
Welche alternativen Erklärungen gibt es für schlechtere Integration von Muslimen?
Sozioökonomische Lage, kulturelle Herkunft, soziale Distanz, Diskriminierung.
Warum sind Moscheen in Deutschland umstritten?
Wegen Ängsten, Vorurteilen und politischer Debatten; teils auch wegen extremistischer Vorfälle.
Welche positiven Funktionen erfüllen religiöse Institutionen?
Orte der Begegnung, soziale Unterstützung, interreligiöser Dialog, gesellschaftliches Engagement.
Wie engagieren sich Muslime gesellschaftlich?
Viele engagieren sich ehrenamtlich, z. B. für Geflüchtete.
Frage: Welche Kritik wird an religiösen Institutionen geäußert?
Politische Einflussnahme, mangelnde Transparenz, antidemokratische Tendenzen.
Warum ist die Ausbildung von Imamen problematisch?
Sie erfolgt meist im Ausland, wodurch staatliche Kontrolle fehlt.
Warum ist Zusammenarbeit religiöser Institutionen wichtig?
Zur Prävention von Radikalisierung, Förderung des Dialogs und Stärkung gesellschaftlicher Akzeptanz.
Warum ist religiöse Radikalisierung eine Bedrohung?
Sie gefährdet das friedliche Zusammenleben und verstärkt gesellschaftliche Unsicherheit.
Wie viele Personen reisten 2014–2016 aus Deutschland zum IS aus?
784 Personen.
Wie ist die demografische Zusammensetzung der Ausgereisten?
Meist junge Männer (22–25 Jahre), viele mit Migrationshintergrund, einige Konvertiten.
Sind Radikalisierte meist schlecht gebildet?
Nein, viele haben mittlere oder hohe Schulabschlüsse.
Welche soziokulturellen Faktoren begünstigen Radikalisierung?
Benachteiligung, Marginalisierung, fehlende Anerkennung.
Welche psychologischen Faktoren spielen eine Rolle?
solation, Lebensunzufriedenheit, Schwarz-Weiß-Denken, Wunsch nach einfachen Antworten.
Welche Rolle spielt Religion bei Radikalisierten?
Häufig besteht nur geringe Kenntnis über den Islam; Religion dient als Projektionsfläche.
Warum sind Jugendliche besonders gefährdet?
Radikalisierung kann als Rebellion, Identitätssuche oder Übergangsritual dienen.
Wer spielt eine Schlüsselrolle bei der Prävention?
Familie, Freunde und das soziale Umfeld.
Welche Maßnahmen sind besonders wichtig?
Aufklärung, Präventionsangebote, Dialog, religiöse Bildung.
Welche Rolle spielt die Mehrheitsgesellschaft?
Akzeptanz fördern, Diskriminierung abbauen, Offenheit zeigen.
Warum sind Vorbilder wichtig?
Sie wirken glaubwürdig und erreichen Jugendliche aus ähnlichen Milieus besser.
Warum ist Rücksicht auf kulturelle Rollenbilder wichtig?
Sie erleichtert den Zugang zu Migrantinnen und stärkt ihre aktive Teilhabe.
Wie können Migrantinnen erfolgreich eingebunden werden?
Über familiennahe Angebote, Schulen, Kitas und aktive Mitgestaltung.
Welche drei Kriterien reichen im Alltag zur Unterscheidung von Migranten aus?
Staatsbürgerschaft
Eigene Migrationserfahrung
Migrationshintergrund
Wer gilt laut Statistischem Bundesamt als Ausländer?
Menschen, die keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen.
: Wer zählt als Zugewanderte bzw. Migranten?
Menschen mit eigener Migrationserfahrung, die in einem anderen Land geboren wurden und nach Deutschland eingewandert sind.
Was bedeutet der Begriff „Personen mit Migrationshintergrund“?
Menschen, bei denen mindestens ein Elternteil zugewandert ist oder mit ausländischer Staatsbürgerschaft geboren wurde.
Wie werden Migranten nach Generationen unterschieden?
Generation: eigene Migrationserfahrung
Generation: Eltern eingewandert
Generation: Großeltern eingewandert
Warum ist der Begriff Integration oft unklar verwendet?
Weil er in Politik, Medien und Wissenschaft häufig unscharf oder mit Assimilation vermischt genutzt wird.
Wie lautet eine allgemeine Definition von Integration nach Esser?
Integration ist der Zusammenhalt von Teilen in einem systemischen Ganzen und deren Abgrenzung von einer unstrukturierten Umgebung.
Was können „Teile“ und „Ganzes“ im Integrationsbegriff sein?
Teile sind z. B. Personen oder Gruppen, das Ganze kann eine Klasse, Nachbarschaft, Gesellschaft oder ein Staat sein.
Wie viele Integrationsdimensionen unterscheidet Hartmut Esser?
: Vier: Kulturation, Platzierung, Interaktion, Identifikation.
Was bedeutet Kulturation?
Erwerb von Wissen und Kompetenzen, die reibungsloses Handeln im sozialen System ermöglichen.
Beispiele für Kulturation?
Sprachkenntnisse, soziale Normen (Duzen/Siezen), Bewerbungen schreiben, berufliche Qualifikationen.
Was versteht man unter Platzierung?
Die Besetzung gesellschaftlicher Positionen und den damit verbundenen Einbezug in die Gesellschaft.
Welche Beispiele gibt es für Platzierung?
Erwerbstätigkeit, Staatsbürgerschaft, Bildungslaufbahn.
Was ist mit Platzierung immer verbunden?
: Rechte und Pflichten.
Was bedeutet Interaktion im Integrationskontext?
oziales Handeln, bei dem Menschen wechselseitig miteinander in Beziehung treten.
Nenne Beispiele für Interaktion.
Gespräche mit Nachbarn, Treffen mit Freunden, Zusammenarbeit im Beruf, aber auch Konflikte.
Was versteht man unter Identifikation?
Das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem sozialen System und die emotionale Bindung daran.
Wodurch entsteht Identifikation?
Durch ein Wir-Gefühl, gemeinsame Werte, Ziele und emotionale Verbundenheit.
Worauf liegt der Fokus bei der Integration von Migranten meist?
Auf der Eingliederung in die Aufnahmegesellschaft.
Warum ist Integration für Migranten wichtig?
Für ein dauerhaftes Leben in Deutschland, gesellschaftliche Teilhabe und Chancengleichheit.
Welche grundlegenden Voraussetzungen sind für Integration wichtig?
Sprachkenntnisse
Einhaltung von Gesetzen, Regeln und Normen
Berufliche und private Kontakte
Kenntnis von Rechten und Pflichten
Was versteht man unter Assimilation?
Die vollständige Übernahme der Aufnahmekultur bei gleichzeitiger Aufgabe der Herkunftskultur
Warum gilt Assimilation heute als unrealistisches Integrationsideal?
Weil die meisten Menschen ihre Herkunftskultur nicht freiwillig aufgeben möchten.
Welche historischen Beispiele zeigen problematische Assimilationspolitik?
Die gewaltsame Unterdrückung indigener Kulturen, z. B. in Nordamerika im 19. Jahrhundert.
Warum ist die Herkunftskultur für Integration relevant?
Weil sie viele Lebensbereiche beeinflusst (Sprache, Bildung, Arbeit, Religion, Freizeit, Partnerwahl).
Nenne Lebensbereiche, die von der Herkunftskultur beeinflusst werden
Sprache, Bildung, Qualifikation, Religion, Partnerwahl, Arbeitssuche, Freizeitverhalten.
Warum sollten ethnische Netzwerke bei Integrationsmaßnahmen berücksichtigt werden?
Weil sie Zugang zu Migranten erleichtern und Unterstützung effektiv vermitteln können.
Welche Befürchtungen äußern Teile der Mehrheitsgesellschaft?
Entstehung von Parallelgesellschaften
Behinderung der Integration
Gefahr für die demokratische Grundordnung
Können Migranten in mehrere soziale Systeme integriert sein?
Ja, in die Aufnahmegesellschaft, die Herkunftsgesellschaft und die ethnische Gemeinde.
: Welche Vorteile bieten ethnische Gemeinden Migranten?
Solidarität, soziale Unterstützung, Informationsaustausch.
Welche positiven Effekte haben ethnische Netzwerke?
Abfederung von Diskriminierung
Unterstützung bei Akkulturation
Hilfe bei Identitätsfindung
Positive Effekte auf psychische Gesundheit
Warum sind Migranten als Multiplikator:innen wichtig?
Weil Unterstützungsangebote so besser angenommen und verbreitet werden.
Wie viele Typen der Sozialintegration unterscheidet John Berry?
Vier.
Was ist Mehrfachintegration?
Gleichzeitige Integration in Aufnahme- und Herkunftsgesellschaft.
Was bedeutet Assimilation nach Berry?
Integration in die Aufnahmegesellschaft bei Aufgabe der Herkunftskultur.
Was ist Segmentation?
Integration in die ethnische Gemeinde ohne Zugang zur Aufnahmegesellschaft.
Was versteht man unter Marginalität?
Isolation von sowohl Aufnahme- als auch Herkunftsgesellschaft.
Auf welche Bereiche kann Berrys Modell angewendet werden?
Auf alle Integrationsdimensionen (z. B. Sprache, Identifikation, Freundschaften, Staatsbürgerschaft).
Wie viele Menschen mit Migrationshintergrund leben in Deutschland?
: Über 18 Millionen (etwa jede fünfte Person).
Warum wurden Gastarbeiter angeworben?
Zur Deckung des Arbeitskräftemangels in den 1950er–1970er Jahren.
Aus welchen Regionen kamen Gastarbeiter hauptsächlich?
Südeuropa, Türkei, Marokko, Jugoslawien.
Welche Bevölkerungsgruppe stellt heute die größte Ausländergruppe?
Personen mit türkischer Staatsangehörigkeit.
Frage: Wer sind (Spät-)Aussiedler?
: Deutsche Volkszugehörige aus der ehemaligen Sowjetunion und Ostblockstaaten.
Frage: Warum sind (Spät-)Aussiedler statistisch schwer erfassbar?
Weil sie die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen.
Seit wann wurden jüdische Kontingentflüchtlinge aufgenommen?
Seit 1991.
Aus welchen Ländern kamen sie überwiegend?
Russland, Ukraine und andere Nachfolgestaaten der Sowjetunion.
as kennzeichnet neue Arbeitsmigration?
Temporäre, saisonale und zirkuläre Migration, oft aus Osteuropa
as ist die „Blaue Karte“?
Antwort: Ein Aufenthaltstitel für hochqualifizierte Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten.
Wann erreichte die Asylmigration ihren Höhepunkt?
2015 - 2016
: Aus welchen Ländern haben Asylsuchende gute Bleibeperspektiven?
Bürgerkriegsländer wie Syrien, Irak und Eritrea.
Wie hoch war die Schutzquote 2016?
Etwa 60 %.
Wer führt das Integrationsbarometer durch?
Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Migration und Integration (SVR).
Was ist das Ziel des Integrationsbarometers?
Die Messung des Integrationsklimas in der deutschen Einwanderungsgesellschaft.
Was macht das Integrationsbarometer besonders?
Repräsentative Umfrage
Vergleich zwischen Personen mit und ohne Migrationshintergrund
Große Stichprobe
Erhebung alle zwei Jahre
Erfassung langfristiger Trends
Welches Sonderthema wurde im Integrationsbarometer 2016 untersucht?
Die Akzeptanz religiöser Vielfalt in Deutschland.
Zuletzt geändertvor 5 Tagen