Was ist Diabetes mellitus Typ 1?
Diabetes mellitus Typ 1 ist eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der die insulinproduzierenden β-Zellen des Pankreas zerstört werden. Dadurch entsteht ein absoluter Insulinmangel.
Was ist eine diabetische Ketoazidose?
Eine lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung, die insbesondere bei Diabetes mellitus Typ 1 auftreten kann. Durch ausgeprägten Insulinmangel werden vermehrt Fette abgebaut → es entstehen Ketonkörper → metabolische Azidose.
Welche Ursachen können eine diabetische Ketoazidose auslösen?
Häufig:
fehlendes oder unzureichendes Insulin
Pumpenausfall bzw. Unterbrechung der Insulinzufuhr
Infektionen
akute Erkrankungen
starke körperliche oder psychische Belastungen
Welche Symptome sprechen für eine diabetische Ketoazidose?
starke Hyperglykämie
starker Durst
Polyurie
Dehydratation
Übelkeit und Erbrechen
Bauchschmerzen
Schwäche
Bewusstseinsstörungen
Kussmaul-Atmung
Acetongeruch der Atemluft
Was ist die Kussmaul-Atmung?
Eine tiefe, regelmäßige und häufig beschleunigte Atmung, mit der der Körper versucht, durch vermehrte CO₂-Abatmung die metabolische Übersäuerung teilweise zu kompensieren.
Warum entsteht bei einer Ketoazidose Acetongeruch?
Beim verstärkten Fettabbau entstehen Ketonkörper. Aceton ist ein flüchtiger Ketonkörper und kann über die Atemluft abgegeben werden.
Was ist bei Verdacht auf eine diabetische Ketoazidose pflegerisch wichtig?
Eine DKA ist ein medizinischer Notfall. Wichtig sind:
sofortige ärztliche Information
engmaschige Überwachung
Blutzuckerkontrollen
Ketonkontrolle nach Standard
Vitalzeichenkontrolle
Bewusstseinskontrolle
Flüssigkeitsbilanzierung
Überwachung von Elektrolyten nach ärztlicher Anordnung
Vorbereitung und Durchführung der Therapie nach ärztlicher Anordnung/Standard
Welche Werte können zur Diagnose eines Diabetes mellitus herangezogen werden?
Unter anderem:
Nüchternplasmaglukose
Gelegenheitsplasmaglukose bei typischen Symptomen
oraler Glukosetoleranztest (oGTT)
HbA1c
Die Diagnose erfolgt anhand definierter diagnostischer Grenzwerte und sollte bei unklaren Befunden entsprechend bestätigt werden.
Was sagt der HbA1c-Wert aus?
Der HbA1c gibt einen Hinweis auf die durchschnittliche Glukosebelastung der vergangenen etwa 8–12 Wochen und wird zur Beurteilung der langfristigen Stoffwechseleinstellung verwendet.
Warum ist regelmäßige Glukosekontrolle bei Typ-1-Diabetes wichtig?
Sie ermöglicht:
Erkennen von Hypo- und Hyperglykämien
Anpassung der Insulindosis
Beurteilung von Ernährung und Bewegung
Vermeidung akuter Stoffwechselentgleisungen
langfristig bessere Stoffwechseleinstellung
Welche Aufgaben hat die Pflege bei Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1?
Blutzuckerkontrollen durchführen
Insulingabe nach Anordnung unterstützen/durchführen
Hypo- und Hyperglykämien erkennen
Ernährung und Bewegung berücksichtigen
Patient:innen schulen
Selbstmanagement fördern
Haut und Injektionsstellen beobachten
Was ist bei der Insulininjektion zu beachten?
richtige Insulinart
richtige Dosis
richtiger Zeitpunkt
richtige Applikationsform
richtige Injektionsstelle
hygienisches Vorgehen
regelmäßiger Wechsel der Einstichstellen
Warum müssen Injektionsstellen regelmäßig gewechselt werden?
Um Lipohypertrophien und andere Veränderungen des Unterhautfettgewebes zu vermeiden. Diese können die Insulinaufnahme verändern und dadurch die Blutzuckereinstellung erschweren.
Welche Körperstellen eignen sich grundsätzlich für eine subkutane Insulininjektion?
Je nach Insulin und individueller Empfehlung beispielsweise:
Bauch
Oberschenkel
Gesäß
Oberarm
Die konkrete Stelle und Technik richten sich nach Präparat, Applikationssystem und Schulungsstandard.
Was sollte ein Mensch mit Typ-1-Diabetes über körperliche Aktivität wissen?
Körperliche Aktivität kann den Glukoseverbrauch erhöhen und dadurch eine Hypoglykämie begünstigen. Deshalb müssen je nach Situation Glukosekontrolle, Kohlenhydratzufuhr und/oder Insulindosis angepasst werden.
Warum ist eine gute Patientenschulung bei Diabetes mellitus Typ 1 besonders wichtig?
Da die Betroffenen ihre Therapie im Alltag weitgehend selbst steuern müssen. Sie müssen unter anderem Glukose messen, Insulin dosieren, Kohlenhydrate einschätzen und Hypo- bzw. Hyperglykämien erkennen und behandeln können.
Welche mikroangiopathischen Folgeerkrankungen können bei Diabetes auftreten?
diabetische Retinopathie
diabetische Nephropathie
diabetische Neuropathie
Welche makroangiopathischen Folgeerkrankungen können durch Diabetes begünstigt werden?
Erkrankungen der großen Gefäße, insbesondere:
koronare Herzkrankheit
Schlaganfall
periphere arterielle Verschlusskrankheit
Was ist das diabetische Fußsyndrom?
Eine häufig komplexe Folge von Neuropathie und/oder Durchblutungsstörungen bei Diabetes. Verletzungen können aufgrund einer verminderten Sensibilität unbemerkt bleiben und sich zu chronischen Wunden entwickeln.
Warum ist die Fußpflege bei Menschen mit Diabetes besonders wichtig?
Durch Sensibilitätsstörungen können Druckstellen und Verletzungen unbemerkt bleiben. Eine regelmäßige Fußinspektion und geeignete Fußpflege helfen, Verletzungen frühzeitig zu erkennen und Komplikationen zu verhindern.
Ist Diabetes mellitus Typ 1 eine Autoimmunerkrankung?
Ja. Die häufigste Form des Typ-1-Diabetes ist autoimmun bedingt.
Welche Rolle spielen genetische Faktoren beim Typ-1-Diabetes?
Genetische Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit für die Erkrankung. Zusätzlich spielen weitere Faktoren, z. B. Umweltfaktoren, eine Rolle.
Ist Diabetes mellitus Typ 1 ansteckend?
Nein. Diabetes mellitus Typ 1 ist nicht ansteckend.
Welche klassischen Symptome treten bei Diabetes mellitus Typ 1 auf?
Typisch sind:
Polyurie → häufiges Wasserlassen
Polydipsie → starker Durst
Müdigkeit und Leistungsminderung
Gewichtsverlust
trockene Haut
Konzentrationsstörungen
ggf. Übelkeit und Bauchschmerzen
Warum kommt es bei Diabetes mellitus Typ 1 zu Polyurie?
Bei stark erhöhtem Blutzucker wird die Nierenschwelle für Glukose überschritten. Glukose gelangt in den Urin und zieht osmotisch Wasser mit sich → vermehrte Urinausscheidung.
Warum entsteht bei Diabetes mellitus Typ 1 starker Durst?
Durch die vermehrte Ausscheidung von Wasser über die Nieren verliert der Körper Flüssigkeit → Dehydratation → starkes Durstgefühl.
Warum kann es bei einem unbehandelten Typ-1-Diabetes zu Gewichtsverlust kommen?
Ohne ausreichend Insulin kann Glukose nicht effektiv genutzt werden. Der Körper greift deshalb vermehrt auf Fett- und Eiweißreserven zur Energiegewinnung zurück.
Wie wird Diabetes mellitus Typ 1 behandelt?
Grundlage ist eine lebenslange Insulintherapie. Dazu kommen:
regelmäßige Blutzuckerkontrollen
ggf. kontinuierliche Glukosemessung (CGM)
angepasste Ernährung
körperliche Aktivität
Schulung und Selbstmanagement
Welche Formen der Insulintherapie gibt es?
Antwort: Zum Beispiel:
Basis-Bolus-Therapie (ICT)
Insulinpumpentherapie (CSII)
Was bedeutet ICT?
Intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT):
ein Basalinsulin deckt den Grundbedarf
schnell wirksames Insulin wird zu Mahlzeiten bzw. bei Korrekturen gegeben
Was bedeutet CSII?
Kontinuierliche subkutane Insulininfusion mittels Insulinpumpe. Die Pumpe gibt kontinuierlich Basalinsulin ab und ermöglicht zusätzliche Bolusgaben.
Was ist der Unterschied zwischen Basalinsulin und Bolusinsulin?
Basalinsulin: deckt den Insulin-Grundbedarf zwischen den Mahlzeiten und nachts.
Bolusinsulin: deckt den erhöhten Insulinbedarf zu Mahlzeiten oder zur Korrektur erhöhter Blutzuckerwerte.
Welche Faktoren beeinflussen den Insulinbedarf?
Kohlenhydratmenge
aktueller Blutzucker
Stress
Erkrankungen/Infektionen
Medikamente, z. B. Glukokortikoide
Tageszeit
Was ist eine Hypoglykämie?
Eine zu niedrige Glukosekonzentration im Blut. Klinisch relevant ist insbesondere eine Glukose von < 70 mg/dl (3,9 mmol/l); schwere Hypoglykämien können zu Bewusstlosigkeit und Krampfanfällen führen
Welche Ursachen kann eine Hypoglykämie bei Diabetes mellitus Typ 1 haben?
zu viel Insulin
zu wenig Nahrung/Kohlenhydrate
ausgelassene Mahlzeit
ungeplante oder intensive körperliche Aktivität
Alkohol
veränderter Insulinbedarf
Welche typischen Symptome treten bei einer Hypoglykämie auf?
Adrenerge Symptome:
Zittern
Schwitzen
Herzklopfen
Unruhe
Heißhunger
Neuroglykopenische Symptome:
Verwirrtheit
Sprachstörungen
Krampfanfälle
Bewusstlosigkeit
Wie wird eine leichte Hypoglykämie bei einem wachen und schluckfähigen Patienten behandelt?
Schnell wirksame Kohlenhydrate geben, z. B. Glukose oder ein zuckerhaltiges Getränk. Anschließend sollte der Blutzucker erneut kontrolliert und je nach Situation eine länger wirksame Kohlenhydratquelle zugeführt werden.
Was darf man bei einem bewusstlosen Patienten mit Hypoglykämie niemals machen?
Nichts oral verabreichen! Es besteht Aspirationsgefahr.
Stattdessen:
Notfallmaßnahmen einleiten
Atemwege und Atmung kontrollieren
entsprechend der ärztlichen bzw. lokalen Notfallstandards Glukagon oder intravenöse Glukose verabreichen lassen
Was bedeutet „absoluter Insulinmangel“ bei Diabetes mellitus Typ 1?
Der Körper produziert kein oder nahezu kein eigenes Insulin mehr. Deshalb muss Insulin lebenslang von außen zugeführt werden.
Welche Zellen produzieren Insulin?
Die β-Zellen (Betazellen) der Langerhans-Inseln im Pankreas.
Welche Hauptaufgabe hat Insulin?
Insulin ermöglicht unter anderem die Aufnahme von Glukose aus dem Blut in die Körperzellen und senkt dadurch den Blutzuckerspiegel.
Warum steigt der Blutzucker bei Diabetes mellitus Typ 1 an?
Durch den Insulinmangel kann Glukose nicht ausreichend in die insulinabhängigen Körperzellen aufgenommen werden. Dadurch bleibt mehr Glukose im Blut → Hyperglykämie.
Wie entsteht Diabetes mellitus Typ 1?
Das Immunsystem richtet sich gegen die eigenen β-Zellen des Pankreas. Diese werden zunehmend zerstört, sodass immer weniger Insulin produziert wird.
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